Full text: Lateinische Gedichte des X. und XI. J[ahr]h[underts]

© Hessisches Staatsarchiv Marburg, Best. 340 Grimm Nr. L 72 
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W ALT HA RI US. 
künstlich geschmiedeten grif der lield zu boden weit- 
weg; diesen augenblick *) ersieht Hagano und haut die 
vorgestreckte, Völkern und königen durch ihre siege 
furchtbare rechte hand nieder. Unerschüttert und auch 
mit der linken unkundig zu weichen, schiebt Walthari 
den blutenden stumpf in den schild und zieht mit der 
unversehrten hand ein um die rechte lüifte gegürtetes 
halbschwert, dessen streich alsobald Haganons rechtes 
äuge ausstöfst, die schlafe durchschneidet, die lippen 
spaltet und ihm zweimal drei backenzahne aus dem 
munde reifst. 
So nun endete der kampf, aus welchem zwei grofs- 
miitige, an kräften gleiche helden, keiner unversehrt, 
hervorgiengen. dort lag Guntharis fufs, hier Waltlia- 
ris rechte und Haganons zitterndes äuge! so theilten 
sie die hunischen spangen! Es safsen die beiden, der 
dritte lag, und trockneten den blutstrom mit blumen. 
Walthari rief die furchtsame jungfrau, sie kam und 
verband alle wunden. 
Drauf hiefs sie der brautigam wein mischen: ‘den 
reiche Haganon zuerst, ein guter kämpfer ist er, wenn 
er treue hält; dann reich ihn mir, der ich mehr als 
die andern duldete; zuletzt trinke Gunthari, der unter 
tapfern männern lässig und lau dem kriegswerk oblag.’ 
In allem gehorchte Heririchs tochter. Aber der Franke, 
obwol dürstend nach wein: ‘bring ihn zuerst, jungfrau, 
deinem bräutigam und herrn, der, ich bekenn es, stär 
ker ist als ich, und nicht nur über mich, über alle 
hinausragt.’ 
Unbezwungen im mut, ermattet am leib, scherzten 
unter den bechern Hagano der dornige und der lield 
*) den einzigen, wo Walthern seine gewöhnliche Vorsicht ver 
lassen hatte: praeter et unius punctum cautissimus heros 1320, 
vgl. 1380 ff.
	        

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