Volltext: Deutsche Grammatik. - Teil 3

© Hessisches Staatsarchiv Marburg, Best. 340 Grimm Nr. L 21 
III. pron.bild. zufammenfetz. praeßxe. nidiv. 67 
der ifländ. fprache, kaum ohne die andere negation ecki 
(Rafk. $. 224 und Biorn 1*. v.), es ilt aii'o auf dem wege 
pofitiv zu werden, wie nockr geworden ilt. Schweden 
und Danen haben die form nen ganz fahren laßen. 
23« Die goth. partikel ni cliv (nunquain) nähert fich 
keiner Verbindung mit dem pronoinen, oder richtiger 
zu lägen, das p raefix äiv (nr. 14) hat lieh noch nicht 
io befeftigt, daß ihm auch die negation hinzutrelen 
könnte. Im ahd. entfprechen aber den pofitiven bil- 
dungen eoiuan, ioman und eowiht, iowiht die negati 
ven neomcin, nioman (nemo) *) und neowiht, niowiht 
(nihil) **) überall. Mhd, niemart , niemen (felttäm 
niemo Diüt. 3, 43) fchlecht niempt Lf. l, 428. % 669. 
688. 3? 59; nieht, niht. Nhcl. niemand und nichts 
was aber letzteres betrifft, I'o ilt, leitdem die einfache 
negation allmälich erlofchen und deren bedeutung auf 
die partikel nicht übergegangen war, für die von nihil 
eine andere partikel nämlich nichts aufgekomrnen ***). 
obngefähr im 15. jh. mag'lieh diefes nichts allgemeiner 
eingeführt haben. Erklärt werden kann es weder aus 
nicht es (ejus) noch aus nicht des; folche nachgeletzte 
genitive waren damals ungebräuchlich und außerdem 
ftreiten die häufigen redensarten: nichts davon, nichts 
von allein u. a. in. ganz dawider. Vielmehr enlfpringt 
unter nichts, wie auch Schm. % 674 richtig lieht, aus 
der verftärkung nihtes niht (dem verneinten ihies iht, 
in NiederfachPeii und Friesland, diefes in "Wefrpbalen und den 
Niederlanden zu häufe, wiewohl feit dem ein flu ß der hochd. 
fchriftfprache fich das gen hin uud wieder in den erfien bezirk 
mag gefchlichen haben. Die unterfüchung trüge mit dazu bei, 
der E. II. ihre heimath zu befrimmen; diefes denknial , fo viel 
ich urtheilen kann, bietet nur liigen (_ d. i. gdn) und nicht 
neu dar. 
*0 N. Arift. 148. latiue non homo aide in diutifküu nimennisko 
(1. niomennifko) neift nicht nomen. 
K. hat neoweht 15^ 90 a 39 b ; T. niowiht ; O. niawiht $ N. 
nieht, kennt aber noch niowiht (oben 1. 52). 
***) unfere volksdialecte unterfcheiden das nicht und nichts 
der fchriftfprache meilt noch fchärfer. öftr. ned y nigs; bair. net y 
niks ; fchwäb. net, nuits ; net, nunz ; fchweiz. nit, nüt ; nit, nünd 
(St. 2,245),* oberhell, net, naut; plattd. nig , niks ('nifi, nifcht) # 
Die ähnlichkeit des böhui, poln. nic y ferb. nifchta trügt, denn 
diefe deklinierbaren formen (gen. niceho, niczego, nitfehega) 
entlprechen dem ahd. niowiht, keineswegs dem uudeclinierbarcfi 
nhd. nichts. 
E 2
        

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