Full text: Deutsche Grammatik. - Teil 3

© Hessisches Staatsarchiv Marburg, Best. 340 Grimm Nr. L 21 
III. antwort. fchlußbenierkungen. 7Ö7 
ß. nicht jede erwiederung ift eine antwort; z. b. 
wenn auf den grüß: gelobt fei Jefus CliriitI der andere 
verletzt: in ewigkeit! fo theilen lieh beide in die grüß- 
formel und jeder Tagt hergebrachterweife ein flück der 
lei ben. Bei vielen grüßen wiederholt aber der gegrüßte 
die worte des grüßenden, wie der gefragte die des 
fragenden, z. b. wenn lieh zwei einander guten mor 
gen, guten tag bieten. In einem nordfrief. buch 
(dem geizbals. Flensburg 1809* von J. P. Hänfen) 
habe ich hierbei eine merkwürdige umllellung der ge 
brauchten Worte wahrgenommen, die ich anführen will, 
um zu erfahren, ob, wie ich fall vermulhe, auch in 
andern deutfehen gegenden diefer grüß ebenfo concipiert 
wird. Auf gudmejrrenl (guten morgen) folgt die er- 
wiederung: mejrrengud! (morgengut) p. 26; auf gud- 
dei! (guten tag): äeigudl (taggul) p. 46* 55 y auf gud 
Pirrersdei! (guten Pelerslag): dei Pirrers gud! p. 69^ 
auf guddiri! (guten abend): dingud! (abendgut) p. 117. 
127. 132« 168* 175 *)• Der begrüßte faßt unmittel 
bar das letzte wort des grußes auf und fclireilet dann, 
gleiclifam rückwärts, in denfelben weiter vor. Die 
formel gewinnt dadurch fetteren halt. Nicht unwalir- 
fcheinlich lind auch bei feierlichen rechtshandlungen 
folche Verletzungen der Worte üblich gewefen **). Selbft 
der ausdruck verfetzen (reparlir, opponere ZU antwor 
ten) könnte darauf bezogen werden. Goth. heißt fonft 
antworten: andhafjan, d. i. entgegen aufheben, ahd. 
antlerilcan, antlirigan. 
y. die lat. fprache belitzt eigentlich keine partikel, 
die unferm direct und ohne zufatz antwortenden ja! 
genau entfpräche, denn irno! fane! u. f. w. gleichen 
unferm wohl, freilich, gewis! Bejaht wird vielmehr 
durch Wiederaufnahme eines in der frage gelegnen 
Worts: dasne? do ! visne? volo! mene vis? te! Ebenfo 
ilt das antwortende non im gründe die das verbuin ge 
leitende negativpartikel: non pojfum! nori do! Das 
gr. vai und ov antworten hingegen ohne weitern zufatz. 
Die fcheinbar verneinende gettalt des bejahenden vai 
guddin IZ gud in, denn in bedeutet abend (p. 35) und 
freht für ivin (agf. aefeu, engl, evening); es tollte demnach ingud 
ftatt dingud erwiedert werden, das auslautende d von gud ilt 
aber, wegen häufigkeit der formel, vor dein anlaut in hängen 
geblieben. 
**) V &1* rechtsalt. 605. 606*
        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.