Full text: Deutsche Grammatik. - Teil 3

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III. negation. 
NEUNTES CAPITEL. 
NEGATION. 
Allgemein betrachtet ift in jedem gegenfatz eine ne 
gation des fatzes enthalten, z. b. in den begriffen gut 
und übel, jung und alt, breit und fchmal, lieb und leid, 
tag und nacht, berg und thal, liebe und haß* Zuwei 
len kann daher wirklich eine negative form diefen 
gegenfatz ausdrücken, z. b. nicht gut für übel, unlieb 
für leid getagt werden. Allein man darf dann auch 
den gegenfatz als fatz, folglich gut, lieb und tag als 
die Verneinung von übel, leid, nacht anfehen, und fie 
wiederum durch nicht übel, unleid, nicht tag bezeichnen. 
Im grund aber fagt der gegenfatz etwas fchärferes 
aus als der bloß verneinende fatz; unlieb ift weniger 
als leid und nacht mehr als nichttagfein, weil zwilchen 
lieb und leid noch die empfindung des gleichgültigen, 
zwifchen tag und nacht noch das dafein der damrnerung 
liegt, und diefe mittelzuftände durch den begrif des 
gegenfatzes, nicht durch den der Verneinung ausge- 
fchloßen werden. Wenn zwar jeder gegenfatz eine 
negation enthält, fo enthält doch nicht jede negation 
einen gegenfatz. 
Das wefen der eigentlichen negation befteht alfo in 
der logifchen leugnung eines fatzes. Durch den ausdruck 
nicht berg, nicht gut wird die polition berg, gut auf 
gehoben, aber unbeftimmt gelaßen, ob der gegenfatz 
thal und übel, oder der zwifchenbegrif ebene und mit 
telmäßig ftattfinden foll. 
Womit gibt nun der fprachgeift die negation kund? 
Jener gegenfatz hatte völlig gleiches recht mit dem 
fatz, ja man kann, wie vorhin gefagt worden ift, beide 
umkehren; es war daher natürlich, daß auch der gegen 
fatz durch ein befonderes wort ausgedrückt wurde. 
Bei der eigentlichen negation verhält es lieh anders; 
hier ftehen polition und negation einander nicht coordi- 
niert, fondern letztere ift erfterer fubordiniert. Polition 
macht die überwiegende regel, negation die ausnahme.
        

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