Full text: Deutsche Grammatik. - Teil 3

© Hessisches Staatsarchiv Marburg, Best. 340 Grimm Nr. L 21 
III. diminution. fubft antivif che. 67 9 
men hätte. Eine andere gloITe bei Hoffm. XXIX ge 
währt fcellikin (cymbaluin) *). 
Einzelne i*o 1 ehe RIN, aber fehr fparfam, erfcheinen 
in inhd. gedichten: pardrifebin (perdiculus) Parc. 3915; 
merlibin (rnerula) BIS. l,48 a ; neilbin (caryophyllum) 
Geo. 4779 “ negelkui; fchapelibin (corolla “ coro- 
nula) Trift. 676. 4640. 11136; zucherbrucbin: trü 
ben (f. trutkin) BIS. % 19 a endlich boungartegin 
(hortulus) BIS. 1, 7 a aber bei Joh. y. Brabant. Das 
letzte itt nun augenfcheinlich unhochdeutfch und einem 
brabantifchen böingaerdekin nacligeahmt; die übrigen 
Tollten -chtn ftatt -bin haben, wie in der drefdn. hf. 
von Eilharts Trift. 935 fchifchin (navicula), doch neben 
IchilFeJin 1189 rorkoinmt. pardrilekin, merlikin, fcha- 
pelikin lind rornanifch und wohl durch niederdeutfche 
Yermittelung nach Hochdeutfchland gerathen; der blu- 
menname neilbin muß frühe und dauernd aufgenommen 
worden lein, da lieh daraus unfer nhd. nelbe, worin 
die Verkleinerung nicht gefühlt wird, entwickelte, un 
beachtet die hd. form nägleiri, ncigeichen y zum theil 
für yerfchiedne blurnen, gilt. Das thüringifche hriickin 
lieht für ein inhd. krüegelin, trutben f. trütlin. 
Es gehört unter die auffallenden erfch ein urigen unfe- 
rer nhd. Ichriftfprache, daß in ihr das CHEN (nicht 
-chein, wie -lein) volle überhand genommen und das 
LEIN faft aus der profa verdrängt hat, während die inhd. * 
dichtungen gar kein CHIN darbieten. Aus unmittelbarem 
einfluß der niederen auf die höhere mundart läßt es lieh 
nicht erklären, da ein folcher eher im XII als im XVI. 
XVII jh., wo das CHEN in der fchriftfprache beginnt, 
zu bemerken ift. Bf an kann auch das CHEN nicht ein 
mal unhochdeutfch nennen, da wir fpuren des ahd. 
ICH nachgewiefen haben. Wahrfcheinlich berichte es 
fchon das ganze miltelalter hindurch in mitleldeutfcher 
gegend, zumal am Rhein, Main, in Oberhelfen, einem 
theile Thüringens und Frankens, wie es dafelbft noch 
heutiges(ags in der volksfprache lebt. Im XVI. XVII. 
jh. zeigt lieh noch ein volleres 1CHEN t fbmehen (ff— 
Jiolus) in Luthers briefen (de Wette 5* 784. 786)» vor- 
theilichen (daf. 498)» mäulichen (505)» lieh ehern (299* 
784), ßuhlchen (153.298), Catönichen (622.716), nicht 
oberheif. urk. von 1249* 1263 nennen einen VoTpert Ho- 
fekirit Hofechin, diiu. von hofe. ‘Wenk II. nr, 142. Gudenus I, 
702» Ein fächf. kobold heißt Hcdeken (pileolus).
        

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