Full text: Deutsche Grammatik. - Teil 3

664 
///. äiminui 'toiu einleitung. 
ACHTES CAPITEL. 
DIMINUTION. 
Diminution *) oder Verkleinerung findet ftatl, wenn 
durch eine in dem wort felbft vorgeliende Veränderung 
dem begrif an feiner vollen kraft etwas benommen 
wird. Es fo 11 gleichfain nur ein ftück davon ausgefagt 
fein. Haupliachlich bezieht lieh diele Verminderung 
auf fubftanliva, wie die lleigerung auf adjectiva; doch 
können zuweilen adjectiva, adverbia und felbft verba 
verkleinert werden. 
Das diminutivum hat nicht nur den ausdruck des 
kleinen, geringen Qieicoaig) 9 fondern auch des lieblichen, 
kofenden (vnoxoQio/MXr)* Daher finden lieh diminutive 
formen mitunter bei großen, erhabnen, heiligen, er- 
wunfehten, felbft gefürchteten gegenßänden angewandt, 
denen man lieh vertraulich nähern und etwas freundli 
ches abgewinnen will. Befonders in Wörtern letzterer 
art pflegt dann der urfprüngliche diminutivbegrif oft zu 
erhärten, d. h. unfühlbar zu werden; fo ilt das franz. 
foleil, das flav. flnze ein verkleinertes wort, ohne daß 
der heutige gebrauch die Verkleinerung fühlt. 
Daß nun beides, das Meine und das liebe, in der 
idee der diminution liege, betätigt die häufig erfolgende 
auswendige hinzufügung diefer adjective Halt oder neben 
der inwendigen diminutivforin. So lägen wir; ein 
Meines ftückchen brot; ein Meines mefferchen ; mhd. 
ein vil Meine5 fchiuraelin Parc. 17189; Meinia wunder 
lin Parc. 19600; zwei vil Meine kindelin Bit. 4205; 
ein Meineg rinelin Trift. 19446; ein Meine vogelin Waith. 
58, 27. MS. 2i60 a ; ein Meine5 denkelin Waith. 100, 20; 
ein Meine froidelin Waith. 52, 22; mnl. fcepelkin clene 
Maerl. 1,207. Und mhd. vil lieber müeterliii; liebes? 
wer auch lateinfchreihend deminutio dem diminutio vor 
ziehen wollte (doch vgl. C. L. Schneider 1,547)» darf darum 
in deutfeher rede die hergebrachte form nicht mehr ändern, Io 
wenig als das franz, oder «ngl. dimiuuliou in deminutiou.
        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.