Full text: Deutsche Grammatik. - Teil 3

III. genus. grammatifches. 
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© Hessisches Staatsarchiv Marburg, Best. 340 Grimm Nr. L 21 
gafi, einem gedieht voll allegorien, den fpott und zorn 
in männlicher tracht dargeßellt gesehen habe. Ver- 
fchieden von unferm fall iß die vorhin f. 346 abge 
handelte naive perforiification, in welcher herr und 
frau gleich geläufig lind; bei der allegorie fcheinen 
nur feminina zuläßig. 
Nunmehr gelange ich zur abhandlung des gramma- 
tifchen gefchlechts felbß. Es kann nicht darauf abge- 
lelien fein, das grammatifch beßiinmte genus famintli 
eh er fubßantiva zu erörtern und noch weniger es durch 
alle deutfehen inundarten durchzuführen. Vielmehr lol- 
len nur die regeln, nach welchen lieh das genus gan 
zer reihen von Wörtern richtet, aufgefucht, zugleich 
aber die wiehtigfien fälle einzelner ausnahmen ange 
führt werden. Ohne zahlreiche, umfländliche beifpiele 
läßt lieh nichts ausrichten. 
Jene regeln, fcheint es, dürfen am wenigßen aus 
der form der fubßantive gefchöpft werden. Hierbei 
könnte zweierlei in betracht kommen, flexion und ab- 
leitung. Was die flexion anbelangt, fo zeigt lie uns, 
vorausgefetzt, daß wir alle cafus eines Worts erkun 
digen können, allerdings mit ficherheit fein gefclilecht 
an *). Allein es fragt lieh hier nicht fowohl nach 
dem genus einzelner Wörter, als nach dem grund def- 
felben. Daß ein jedes inafc., fern, oder neutrum einer 
gewilfen flexion zufalle, hängt eben von feinem genus 
ab, kann es folglich nicht erklären helfen. Je flumpfer 
die flexionen werden, deflo weniger vermögen lie das 
gefclilecht der Wörter zu entfcheiden. Bei darßellung 
der ableilungen im zweiten cap. diefes buchs iß fodann 
bereits auf das genus jederzeit gehörige rückflcht ge 
nommen worden und es hat lieh dort ergeben, daß 
beinahe keine art der derivation ausfchließlich einem 
beftimmten genus angehört und daß einzelne ableitun- 
gen im genus beträchtlich fchwanken. für das ab- 
itracter Wörter mögen gewiffe ableilungen befondere 
dienße leiflen, weil dergleichen Wörter oft nach der 
analogie gebildet und vermehrt werden und damit in 
der ganzen clalTe diefer forination das gefclilecht be- 
ftimmt iß. Ein nicht übler belielf zur erinittlung des 
gefchlechts kann bisweilen das reimprincip, wenn 
*) indem ich hier von dem äußerft feltnen fall eines deut- 
fcheu genus commune abfehe (f. 312).
        

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