Full text: Deutsche Grammatik. - Teil 3

© Hessisches Staatsarchiv Marburg, Best. 340 Grimm Nr. L 21 
III. genus. grammatifches. perfonißcation. 351. 
Eine Vergleichung der urverwandten fprachen liegt 
liier nahe. Die Wurzel fciu’il und föl ift unbedenklich 
auch in ijhog (wie o, tj — goth. fa, 16), im lat. Jol, 
im litth. faule, im böhm. flunce, ferb. Jantze vorhan 
den; untere fprache fcheint aber keine deuiung dafür 
anzubieten, während die andere uns eigenUiümliche 
Wurzel farinh vielleicht auf das verburn iin nun zurück 
geführt werden darf (gramm. 2^ 35)* t Mena, mdno iden- 
tificiert lieh wiederum dem gr. jirjv oder [vtjvt] , dem 
litth. menu, und das Ilav. melelz könnte verwandt fein. 
Die gefchlechtsbeftiinmung fchwankt aber ungemein; 
zwar das litth. faule ift weiblich, menu männlich, wie 
bei uns; hingegen tjXioq und das lat. fol lind mafc. *), 
wie das goth, funna, alid. funno; das flav. fiunze, flnze 
(Dobr. 309) neutral, wie das goth. fäui‘1. Im griech. 
Tchwanken jurjv mafc. und /iijvtj fern., doch überwiegt 
letzteres und wird beftärkt durch GaXyvrj. Auch das 
lat. luna überwiegt gegen das feltnere lunus (vorhin 
t 343.) **)• 
4. Auf gleiche weife Hellen wir den tag als ein 
männliches wefen, die nacht als ein weibliches dar. 
Hierin trelfen alle deutfehen mundarten, ohne ausnahme 
überein: goth. dags, ahd. tac, altf. dag, agf. dag, 
altn, dagr; goth. nahts, ahd. naht ***), agf. niht, ahn. 
ndtt, nött, und die Edda weiß wiederum den grund 
davon: Nött, eine tochter des Korvi, wurde mehrern 
männern, zuletzt dem Dellingr (Doglingr, das wäre ahd. 
Tegilinc) vermählt und mit ihm zeugte iie den Dagr, 
der hell und licht wie fein vater, nicht dunkel wie feine 
mutter war. Snorra edda p. 11. Auch das lat. dies 
(wörtlich unverwandt) ift vorherfchend mafc., fchwankt 
aber ins fern.; das ferb. dan, böhm. den, poln. dzien 
in den romanifchen dialecten bleibt fol^fole, foleil männ- 
lich; doch eine tochter des fpan. Cid heißt dona Sol. 
es ließe fich noch aus fremderen fprachen manches für 
die vorfielluugsart der deutfehen beibriugen, welcher in einem 
lehr oberflächlichen auffatz (mem, des antiquaires de France 3» 
364) als barbarei vorgerückt wird, daß ße /ohne weiblich, mond 
männlich gebrauche. Auch die Araber denken fich beide (dfcheins 
Tonne, kamar mond) ebenfo, vgl. ein gedieht des Motenebbi in 
Reifkes proben p. 88« oder in Hammers Überfettung p. 196* Den 
galifcheu dichtem hingegen war die fonne der fohn, der mond 
(gealach) die tochter des himmels. 
***) wegen des adv. naht es> des nahtes lieh oben f*133*
        

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