Full text: Altdänische Heldenlieder, Balladen und Märchen

© Hessisches Staatsarchiv Marburg, Best. 340 Grimm Nr. L 79 
mittelbar als ein lebendiges Glied eintreten und gefaßt 
werden kann, scheint mir unrecht darzubieten. — Ich 
wünsche, daß dies Buch vielen Freude gewahre durch 
die Betrachtung dieser Tugenden, der Herzlichkeit, der 
Treue, der Liebe und der großen Gesinnung der Hel 
den. Waö uns wieder berührt aus alter Zeit, das 
lebt auch wieder, und so wird vielleicht jener Glauben 
der Völker, den wir nicht ohne eine gewiße Wehmuth 
als vergangen betrachten können, von der Unsterblich 
keit ihrer Ahnen, in einer Hinsicht wenigstens geret 
tet. Wer in Seligkeit stirbt bei den Indiern, aus des 
sen Leib geht eine Flamme und seht sich auf die Lip 
pen des Gottes; so ist, was göttliches Ursprungs ge 
wesen, auf die Lippen der Poesie geflogen, als das 
sterbliche vernichtet wurde. Sie spricht cs aus durch 
die Welt, und es ist ein unvergängliches Leben darin. 
Jeder reine Sinn hat sie einmal gehört, und wenn sie 
spater vor einem verwirrten Treiben ihm verstummte, 
so muß doch die alte Lust daran sich regen, wann er 
ihre Stimme wieder vernimmt. Jener persische König 
war als Kind von einer Löwin im Walde getragen und 
gesaugt worden; einmal, nachdem er sie langst verges 
sen über den Glanz seiner Krone, jagte er in dem Wal 
de und erblickte sie wieder: ein unbezwingliches Gelüst 
überfallt ihn, er muß absteigen von seinem Pferd, und 
sich, wie er als Kind gethan, auf den Rücken des 
Thiers sehen, das ihn freudig in des Waldes Finster 
niß forttragt, aus der er nicht zurückkehrt. Wie in 
— ir —W*
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.