Full text: Geschichte der deutschen Sprache. - Band 1 und 2

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SCHLUSS 
© Hessisches Staatsarchiv Marburg, Best. 340 Grimm Nr. L77 
scliaft der Gothen und Hochdeutschen, vgl. auch dulfis und tuld (s. 92), 
noch mehr die goth. ahd. conjunction jah. goth. ist brusts ahd. prust 
gegenüber dem ags. breost, altn. briost. 
Die goth. spräche zeigt aber manche ihr unter den deutschen 
allein zuständige Wörter, an deren stelle die übrigen andere ausdrücke 
verwenden, so stimmt das goth. milij) zwar zu gr.fdh fitXtrog, lat. 
mel mellis (f. meltis?), ir. mil, welschem mel (vgl. ags. milisc mul- 
sus, d. i. mellis liabens saporem) und dem D andrer urverwandter 
sprachen (s. 355.) allein ahd. gilt honac mhd. honec alts. honig 
hanig ags. fries. hunig engl, honey altn. hunäng; aus welcher wurzcl 
her rührt dies seltsame wort? ich habe ans littli. kunas leib ge 
dacht, weil wir (s. 1011) sahen, dasz die Vorstellungen leib, blut 
und seim (al/ua) verflieszen, mythisch aber nectar aus blut bereitet 
wird, es mag ein verschollnes hun gegeben haben, aus dem honac 
hunäng geleitet wurde, wie honig ist auch das allen übrigen deut 
schen sprachen gemeine verbum fallen, das ich zu sl. pasti hielt 
(s. 355), den Gothen abgängig. 
Andere eigenlhümlich gothische Wörter manvjan u. s. w. hebt 
meine vorrede zu Schulze hervor, unter den Wortbildungen machen 
1032 sich zumal die nomina auf -ubni und adverbia auf -ba bemerklich, 
unter den partikeln ei dasz, uf unter, and durch. 
'Wenn gleich der gothische und deutsche wortvorrath insgemein 
gröszere Übereinkunft mit dem latein als dem griechischen zeigt; er 
scheint doch in einzelnen zügen der goth. flexion mehr annäherung 
an das griechische, wie in sa so |iata 6 r\ to, im df.it (beide aus 
ismi io fit abkommend), iddja fja, vait otda, den Superlativen -ists 
und -iiTTog. 
Die entfaltung des R aus S, der fast gänzliche Untergang des 
dualis (s. 4S9), hingegen das stärkere vortreten des dem lat. ablaliv 
ähnlichen instrumentalis (s. 488. 938) stellt den hochdeutschen stamm 
näher zum latein. 
Begreiflicherweise ist den Gothen auch oft fremd geblieben was 
den übrigen Deutschen mit Slaven und Litthauern gemein war, z. b. 
fleisc pl”t’ (s. 1011) und smerza s’mrY littli. smertis, denn das ahd. 
wort musz ursprünglich den begrif der todespein enthalten haben, die 
sich allmälich milderte in den des heftigen Schmerzes; zu den Altnor 
den drang der ausdruck nicht, doch haben die Schweden und Dä 
nen smärta smerte vielleicht von uns aufgenommen, aber schon ags. 
galt das starke verbum smeortan dolere wie ahd. smerzan. Dafür 
stimmt der Golhe mit dem Slaven in mimz plinsjan dulgs und anderm 
mehr. Aber wie ganz ahd. klingen viele goth. Wörter, z. b. atisks 
ezisc (mhd. ezesch escli, Swsp. s. 168. 171), aglaitei akaleizt, eisarn 
isarn, gadiliggs katilinc, liuha|i hobt (altn. lios) arvjö thoptav ahd. 
arawun u. s. w. 
Bairisch und schwäbisch müssen wir allmälich fester unterschei 
den lernen, so vieles sie gemein haben, jenes bairische oscht lischt 
wird in Schwaben nur ort lauten, bair. hie lief, schwäb. hiu liuf
	        

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