Full text: Geschichte der deutschen Sprache. - Band 1 und 2

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RECHT UND LINK 
© Hessisches Staatsarchiv Marburg, Best. 340 Grimm Nr. L77 
V^<XYi.TA. 
Frauenlob 54, 11; zuo den lerken 410, 16. Conrad MS. 2, 199 b 
reimt lurc : burc, Schmiede 82. 1696 zer zöswen und zer lUrken : 
würken (auszerdem finde ichs nicht in seinengedichten), Ottocar 191 b 
an zesvven und an lerken : werken. Wie sind diese der ahd. und 
allen übrigen deutschen sprachen wildfremden lerz und lurz, lerc und 
lurc zu fassen? es gibt ein verbum lerken balbutire in Diemers ausg. 
der Vorauer hs. 34, 12, lirket balbutit bei Frauenlob 134, 12, und 
gerade so steht Hätzl. 101, 60 nun ich mit miner zungen lerz : herz 
(für lerze : herze.) was heiszt ebenda 72, 233 den muot erlerzen? 
aulheitern? fragm. 31 c scheint äne liirzen : gekürzen wiederum ohne 
zaudern, stottern, im kolocz. cod. 185, 1048 aber lurzten schmeichel- 
* ten. lurken lurggen lorggen für stottern, stammeln kennt auch Stal— 
der 2, 186 und mit der Vorstellung des linken ungeschickten läszt 
992 sich die des Stotterns leicht verbinden, kaum ist lerz aus letz obli- 
quus, noch weniger lerk aus link entsprungen, obwol sie höher auf 
wärts der wurzel laevus zufallen könnten. 
Wir nähern uns dem wieder mit L anlautenden ausdruck der nie 
derdeutschen spräche, es müsle sich aus denkmälern des Übergangs 
der ags. in die altengl. ermitteln, wann vinstra gewichen und left oder 
lift an dessen stelle getreten sei. kein ags. werk zeigt eine spur die 
ses worts, aber es musz schon im 13 jh. allgemein durchgedrungen 
sein, weil es um dieselbe zeit die niederländischen Sprachdenkmäler 
kennen, mir sind nur etwas spätere belege zur band: a lifte hälfe 
aus Chaucers rose 163 und on thi left half aus Ploughman 887. die 
heutige form ist left. die heutige westfriesische volksprache stellt die 
lofterhöan der rjuchterhöan entgegen (lapekoer 18, 51), die ostfriesi 
sche de läft haun der säum liaun (Ehrenlrauls arch. p. 100.) andere 
schreiben lefter hond. Der gewöhnliche mnl. ausdruck ist luchter, 
comparalivisch und mit CHT für FT wie in eracht hacht lucht f. craft 
haft luft : ter luchter siden Ileinaert 1054. ter luchter hant Esop 
p. 316 und oft bei Maerl. 2, 21. 3, 171 luchtre ore 3, 207. Flo- 
ris 981. Fergtlt' 1084. 3601. Haupt 1, 103. nnl. luchter neben 
link, in Overyssel lochterhand. mnd. lochter : to der lochteren hant. 
Reineke 948. Goslar, bergges. 21. lochteren siden Bruns rom. ged. 
138, man schrieb auch luchter z. b. Kantzow s. 55. 63. in der heu 
tigen niederdeutschen mundart hat link oder lunk das lucht oder luch 
ter fast verdrängt*. Dies left lift luft lucht könnte dem alts. 16f, fries. 
lfif (Richtli. 165, 5) debilis, infirmus verwandt scheinen, falls sich ein 
ablaulendes lifan I6f lifun (liban 16f libun) neben hilihan annehmen 
liesze, aus dessen pluralis lift weiter geleitet wäre; auch lat. obliquus 
und liquis mögen zu linquo gehören. 
Doch es ist zeit das gr. Xaiog, lat. laevus selbst ins äuge zu 
fassen, ihm gleicht ahd. I6o löwes (Graff 2, 295) malum, perversi- 
993tas? wofür man goth. laiv laivis rathen könnte; Schm. 2, 406 hat 
ein oberpfälzisches lei leiw malus infirmus aeger. entschiedner entspricht 
* up der lichten oder luchten = linken. Lappenbergs Elbkarte s. 15.
	        

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