Full text: Geschichte der deutschen Sprache. - Band 1 und 2

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RECHT UND LINK 
© Hessisches Staatsarchiv Marburg, Best. 340 Grimm Nr. L77 
esse disciplina augurum consentit, et ideo ex. ipsa parte significantiora 
esse fulmina, quoniam altiora et viciniora domicilio Jovis. Günstiger 
vogelangang war der von der linken seite: sinistra monet cornix. Virg. 
ecl. 9, 15; non temere est, quod corvus cantat mihi nunc ab laeva 
983 manu. Plaut. Aulul. IV. 3, 1. impetritum, inauguratum ’st: quovis 
admittunt aves. picus et cornix est ab laeva, corvus porro ab dex- 
tera. Plaut. Asin. II. 1, 12. 
Cicero aber nimmt des Unterschieds wahr zwischen rümischem 
und griechischem brauch, de divinatione 2, 39: quae autem est inter 
augures conveniens et conjuncta Constantia? ad nostri augurii consue- 
tudinem dixit Ennius, 
quum tonuit laevum bene tempestate serena. 
at homericus Ulixes apud Achillem querens de ferocitate Trojanorum, 
nescio quid, hoc modo nuntiat: 
prospera Iuppiter bis dextris fulgoribus edit. 
ita nobis sinistra videntur, Grajis et barbaris dextra meliora. quam - 
quam haud ignoro, quae bona sint sinistra nos dicere, etiam si dex 
tra sint. 
Die gemeinte stelle ist aus II. 9, 236 
Zevs Ss ocpi KQOviSrje ivSe^ia orj/iaxa tpaivcov 
daronTtzei. 
wie es auch 11. 2, 353 heiszt: 
aaxQanxcov , evaiai.ua or/fiaxa <paiva>v, 
vgl. de'giov z/iog xeqag Eurip. Phoen. 1189 und maQ^og ex rwv 
de£iwv. der de'&bg OQvig weissagt heil Od. 15, 160. 525, hingegen 
der uQiGjeQog OQvig unlieil. Od. 20, 242. Didymus ap. schol. Ari- 
stoph. av. 704: rj Girrrj xal ei' rt roiovxov bqveov de^iä nQog eQW- 
rag (pulveren, eyib f.dv, io ytevxinne, öe^irj gIttt]. den Griechen 
waren folglich die ßoQeia auch de£iä, den Römern aber die septen- 
trionalia sinistra. 
Wie nun die Umdrehung erklären? mir scheint es, die Griechen 
und alle andern mit ihnen hierin übereinstimmenden Völker, in der 
Wanderung gegen westen begriffen, musten sich gewöhnen den blick 
nach abend statt nach morgen zu richten, und der heilbringende nor 
den trat für sie zur rechten seite, während er früher zur linken ge 
standen hatte*, ihre alten hofnungen lagen ihnen jetzt im rücken 
* man pflegt den unterschied zwischen Griechen und Römern anders aufzu 
fassen. Entweder läszt man den gr. vogelschauer gegen mitternacht, den römi 
schen gegen mittag blicken, so dasz jenem die glücklichen vögel rechts von osten, 
die unglücklichen links von westen fliegen, diesem aber die glücklichen links von osten, 
die unglücklichen rechts von westen, aber das schauen des röm. augurs gegen 
morgen erhellt aus Livius und Plutarch, welchem gemäsz, da sich beiden Völkern 
rechts und links umdreht, der griechische gen abend gerichtet sein musz, wie 
sich auch sonst aus der identität zwischen recht und nördlich ergibt. 11. 12, 239. 
240 geht freilich der rechte flug nach osten, der linke nach westen; das scheint 
aber von norden ostwärts, von stiden westwärts. Oder man nimmt an, der Grieche 
habe nach sich, der Römer nach den göttern gerechnet, für die rechts sei, was
	        

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