Full text: Geschichte der deutschen Sprache. - Band 1 und 2

© Hessisches Staatsarchiv Marburg, Best. 340 Grimm Nr. L77 
REDUPLICATION 605 
dscha fll. bubhudschima; rud <= ahd. riozan, praet. ruröda pl. ruru- 
dima; tup = Tvnrtiv, praet. tulöpa pl. tutupima. hingegen die uns 
rer ersten und zweiten conj. vergleichbaren lauten nicht ab’; bandh 
ligare, praet. babandha pl. babandhima; mard inordere, mamarda ma- 
mardima; tan tendere, tatana tatanima; svap dormire, susvapa susva- 
pima; tap urere, tatapa tatapiraa; sad sedere, sasada sasadima. es 
gilt aber auch tatäna, tatäpa, sasäda unserm pluralablaut zweiter conj. 
ähnlich, wie wenn griech. ntno[.i(fa ytyovu. A enthielten, das in der 
Wurzel zu O, im praefix zu E geschwächt wurde? doch gleicht dem 
O unser U in bundum, munum. 
Es sind aber wichtigere Schlüsse aus diesen Vergleichungen zu 
entnehmen. 
Am meisten überraschen musz, dasz die fremde, urverwandte 
reduplication sich weder im laut noch in einzelnen wurzeln der gothi- 
schen anschlieszt, wol aber unsern fünf ablauten: gr. /.iffiora, lat. 
inemini ist golh. man, gr. xtxlona, das ich mutmaszen darf, golh. 
hlaf, skr. sasada goth. sat, gr. ötdoixu golh. taih, skr. bibhöda golh. 
bait, skr. ruröda ahd. röz = goth. raut. Was ist natürlicher als die 
annahme, dasz einmal in früherer zeit für man hlaf sat taih raut eine 
goth. reduplicierte form galt?, deren vordem vocal ich nicht zu be 
stimmen wage (nur Al wird er nicht gewesen sein), wofür ich hier 
versuchsweise I setzen will: miman, hihlaf, sisat, titaih, riraut?* die 
vordersilbe wäre abgefallen, wie wir sie ausnahmsweise dem gr. oiöa 
und skr. vöda mangeln sehn, welches letztere vollständig vivöda lauten 
sollte. Nicht anders entgeht sie aber auch vielen lateinischen praete- 
ritis und ein lambo lelibi, facio fefaci (vgl. osk. fefakust), faveo fe-874 
fävi, paveo pepävi (wozu das subst. cicäda stimmt), dico dedoeci (wie 
coepi auf cecoepi weist), duco didauci wären im hintergrund der 
spräche zu erwarten; haben diese lat. praeterita ihre reduplications- 
silbe abgelegt, wie lange zeit kann sie den gothischcn schon entzogen 
gewesen sein. 
Allein der reduplicalionstrieb war darum nicht in ihr verschwun 
den, sondern bedacht sich einen neuen weg zu suchen. Näher zuge- 
sehn (s. 866) so tragen unsere reduplicierenden goth. wurzeln gerade 
den vocal der fünf ablautenden an sich: halda scheint aus einem hilda 
bald, falia aus faiha fah, blöta aus blata blot, haita aus heita halt, 
flauta aus fliuta flaut zu sprieszen. Da nun den ablaut, wie wir fan 
den, ursprünglich reduplication geleitete, so kann man sagen, dasz die 
gothischen reduplicationen einer zweiten potenz angehören, und ihnen 
alte reduplicationen erster potenz vorangegangen sind. 
Beide arten der reduplication entfernen sich darin von einander, 
dasz die alte auf wurzeln mit kurzem vocal, die neue auf wurzeln mit 
langem beruht, dort walten A I U, hier positionslange Wurzelsilben 
oder diphthonge. beide streben allmälich nach einsilbigkeit, doch die 
* längst hat Bopps Scharfsinn (vgl. gramm. s. 843. 848. 850) diese redupli 
cationen vorausgcsehn, nur dasz er maiman haihlaf saisat taitauh rairaut ansetzen 
würde. 
. i'pv- *~i ** '
	        

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