Full text: Geschichte der deutschen Sprache. - Band 1 und 2

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© Hessisches Staatsarchiv Marburg, Best. 340 Grimm Nr. L77 
DEUTSCHE 
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göttlichen helden vergröszerte und mehr als drei Stämme ausdrückte. 
An andrer stelle werden dem Arminius die worte in den mund ge 
legt: cerni adhuc Germanorum in lucis signa romana, quae diis patriis 
suspenderit (ann. 1, 59): das meint doch götter aller Deutschen, wie 
die Tencterer den Agrippinensern entbieten lassen: redisse vos in Cor 
pus nomenque Germaniae communibus deis et praecipuo deorum Marti 
grates agimus vobisque gratulamur, quod tandem liberi inter liberos 
eritis (hist. 4, 64.) es ist dem Tacitus nicht zuzutrauen, dasz er nur 
seine rede ausschmücken wollte; ihm muste bekannt geworden sein, 
dasz die Germanen ihres volks und ihrer götter sich bewust waren, 
und hätte dies gefiihl in den nächsten jahrhunderten nicht gedauert? 
sollten Gothen, Langobarden, Sachsen nicht jedes einzelnen königs 
ihrer Stammtafel, die zuletzt auf einen gemeinschaftlichen gott hinaus 
lief, sich erfreut haben? 
Solcher stolz bricht auch noch sonst hell durch, als Tacitus von 
der mischung gallischer und germanischer Völker redet und auf die 
den Galliern zunächst wohnenden Germanen kommt, heiszt es cap. 28: 
Treveri et Nervii circa aflectationem germanicae originis ultra ambitiosi 
sunt, tanquam per hanc gloriam sanguinis a similitudine et inertia Gal- 
lorum separentur. ne Ubii quidem, quamquam romana colonia esse 
meruerint ac libentius Agrippinenses conditoris sui nomine vocentur, 
origine erubescunt. Mit gutem fug glaube ich auch s. 503 die ein- 
heit aller Germanen aus dem namen der Markomannen gefolgert zu 
haben, der erst unter solcher Voraussetzung rechten sinn empfängt: 
sie hüteten der grenze Germaniens gegen die fremden; ja man könnte 
den Markomannen im Süden die dänische mark im norden gegenüber 
stellen und darin neuen grund für die annahme finden, dasz die halb- 
insel und die Dänen den Germanen des festen landes beigezählt und 
nicht zu den eigentlichen Nordmannen gestellt wurden. 
Ich bin der annahme eigner Völkervereine, golhischer, suevischer, 795 
cheruskischer abgeneigt, weil alles was aus ihnen hervorgegangen sein 
soll, schon in dem naturgemäszen dasein jenes allgemeinen deutschen 
verbands gesucht werden darf, bei dringendem anlasz mögen eben so 
natürlich besondere bündnisse geworben und feierlich geschlossen wor 
den sein, ohne dasz sie auf die länge gedauert oder in der Stellung 
der Völker selbst etwas geändert hätten, zwei merkwürdige äusze- 
rungen begegnen bei Cassiodor var. 3, 1 und 2; der ostgothische 
Theodorich schreibt an den westgothischen Alarich in bezug auf des 
sen hader mit dem fränkischen Chlodwig: objiciamus quamvis cog- 
nato cum nostris conjuratis eximias gentes. und an Gundobald: ideo 
legatos ad fraternitatem tuam credimus destinandos, ut si filio noslro 
Alarico visum fuerit, ad regem Francorum cuin conjuratis nobis genti- 
bus dirigere debeamus, quatenus causa, quae inter eos vertitur, ami- 
cis mediis rationabiliter abscidatur. damals mochten die gothischen 
und ihnen benachbarten Völker für ersprieszlich gehalten haben, sich 
gegen die steigende macht der Franken und Burgunden näher zu 
verbünden.
	        

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