Full text: Geschichte der deutschen Sprache. - Band 1 und 2

© Hessisches Staatsarchiv Marburg, Best. 340 Grimm Nr. L77 
LAUTVERSCHIEBUNG 
zur seite stehn, vielmehr wie in dva = goth. tva ahd. zuei. Schon 
s. 269 hob ich aus, dasz gegenüber lat. pater mater frater goth. fa- 
dar (ags. mödor) bröpar, ahd. fatar muotar pruodar stehn, folglich 
nur bröpar und pruodar regelrecht verschoben ist. fadar und mödar 
setzen ein vorangegangnes TH voraus, wie es ir. athair mathair, frei 
lich auch brathair (s. 270) zeigen, das engl, fallier mother brother 
unterstützt. Goth. baitrs tiixqoq stammt doch von heitan mordere ahd. 
pizan; ahd. pitar oder pittar verharrt in goth. stufe, ags. biter altn. 
bitr. ebenso steht es um ahd. otar ottar lutra ags. oter altn. otr, 
deren T zum litth. udra, poln. böhm. wydra stimmt, so dasz ahd. ozar 
in der regel wäre, nochmals dasselbe Verhältnis im goth. hlutrs pu- 
rus ags. hlötor ahd. hlütar hluttar nhd. lauter, dessen Zusammenhang 
mit ags. hlüd sonorus ahd. hlüt gr. xXvrog ich nicht verrede, weil 
licht und schall oft einer wurzel sind. Wie lat. modus modius medi- 
tor und metior schwanken, hält im goth. mita met mitö ahd. mizzu 
mäz mez die muta fest und entspricht dem lat. D; gerade so verhält 
sich zu lat. sedeo sedile goth. sita sills, doch neben ahd. sizan und 
sezal findet sich sedal kisidili, deren D die lat. stufe behauptet, und 
aus dem ags. sedel neben setel, wie jenes fadar aus father zu fassen 
ist. mitten in den ausnahmen blickt immer die regel des verschie- 
bens durch. 
13) Alle bisher angeführten wie die zunächst folgenden ausnah 
men fallen in die lingualreihe, welche sonst den grundsatz der laut- 
verschiebung am deutlichsten darstellt, man begreift, dasz ein festes 
423 band der lingualis mit andern consonanten sie im früheren, der Ver 
schiebung vorausgegangenen zusland erhalten kann; beide consonan 
ten verschmelzen und widerstehn dem Wechsel, hierher gehören zu 
mal die formein FT HT ST, deren T völlig auf der stufe des gc. und 
lat. in PT KT ST bleibt, obschon die vorstehenden F und II verscho 
ben sind, vgl. goth. hafts raihts kustus mit caplus rectus guslus. die 
goth. hafts raihts kustus müssen aber auch ahd. unverändert beharren 
liaft reht chust. auf die günstige beweglichkeit des gr. nr in ßd 
(s. 359) u. s. w. läszt sich weder lat. noch deutsche spräche ein. 
Urverwandtes TR verschob sich in goth. THR ahd. DR, wie tres preis 
dri, trud pruts priutan und driozan zeigen; urverwandtes DR in goth. 
TR*, hier aber stockte die Verschiebung und blieb auch ahd. TR; es 
zeugte sich kein ahd. ZR, das unserm idiom widersteht, beispiele: 
sl. drevo gr. dyvg goth. triu ags. treov, ahd. -tra -tera in zusam 
mengesetzten baumnamen; goth. traua ahd. triuwu nhd. treue; goth. 
triggvs ags. treove altn. tryggr ahd. triuwi nhd. treu; goth. trigö 
’kvn'i] altn. tregi moeror tregr invitus segnis, ahd. träki ignavus nhd. 
träge; goth. trudan calcare altn. troda ahd. tretan vgl. kelt. troed troid 
pes; alts. trahni lacrimae ahd. -trahan mhd. traben lacrima. Wie goth. 
* wohin auch Joouixah?]s (s. 202) und goth. trums? ags. trum, finn. tyr- 
miä firmus, ir. trorn gravis, welsch trwm. das lat. firmus scheint fiir firmus 
thirmus zu stehn.
	        

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