Full text: Geschichte der deutschen Sprache. - Band 1 und 2

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SPIRATION S. H 
Es zieht mich an das Verhältnis von S und H in zahlreichen 
beispielen auszuführen. 
Das pronomen dritter person skr. sa sä lautet im zend lio hä, 
gr. 6 rj, goth. sa so, ags. se seo, altn. sä sfl und dem ir. se steht 
welsches e für he entgegen, nicht anders waltet im lat. goth. alul. 
altn. litth. sl. reflexiv S, im gr. II; mit dem aussterben des ags. und 
engl, reflexivs mag aber im Zusammenhang sein, dasz neben ags. de 
monstrativ se seo das eigentliche pron. dritter person he heo lautet, 
dessen II durch alle Casus und geschlechter läuft, im alts. he lediglich 
den nom. masc. ergreift, während das fern, siu behält und die obliquen 
Casus II abslreifen. der niederländische dialect hat S blosz dem nom. 
acc. sg. fern, gelassen, dem masc. II verliehen, der friesische gleich 
dem ags. allenthalben II angenommen, auf demselben gründe ruht 
300 das II des altn. bann hun und der neunord, sprachen, wo im deut 
schen pronomen II vortritt, begegnet es der welschen weise; in den 
hochdeutschen mundarten ist es nicht der fall, auch Ihm. se ille. 
Zum skr. saptan treffen lat. septem, goth. sibun, litth. septyni, 
sl. sedm, ir. seacht; zum zend. haptan pers. lieft, gr. enzu. hier 
hat auch das welsche saith skr. sahasra zend. hazanra pers. hezara 
(s. 254). 
Skr. sara, lat. sal, goth. salt, ahd. salz, ir. salan, sl. sol’, poln. 
sol, böhm. sül, litth. surus salsus (sonst wird für sal gesagt druska) 
suditi salire, lett. sahls, finn. suola, est. sool, lapp, salte. hingegen 
gr. ulg, welsch hal halan; wenn in Deutschland Salzquellen den namen 
Hall Halle führen, scheint das keltischer einflusz, den salzfliissen steht 
S zu (mythol. s. 1000) und schon Strabo s. 291 gewährt 2ulag; 
Leo (bei Haupt 5, 511) leitet das II von dem phonetischen Übertritt 
des ir. S in S1I ab, welches SII wie II gesprochen werde;- doch 
dieser der irischen spräche eigne lautwechsel braucht uns nicht die 
nähe des S und H anderwärts zu deuten, wie der mythus den ge- 
sclmiack des meerwassers aus hineingeworfnem salz erklärt und die 
see überall die salzige flut heiszt, ist aus dem gr. masc. ulg das 
fein, für den begrif des meers entsprungen und ir. bezeichnet saile 
see oder seewasser, aber auch die bitterkeit der tliräne rührt aus 
dem salz her (myth. s. 531), die thräne heiszt (duy.QV goth. tagr, 
lat. lacryma verwandt mit duy.tiv) und unmittelbar das sl. sl”za, böhm. 
slza zu sol’ salz, im poln. Iza ist einmal die spirans abgestreift und 
nur aus der nachwirkung auf L erkennbar. 
Skr. upa und upari entsprechen dem goth. uf und ufar, lat. sub 
super, gr. vtio vntQ. man erklärt sich sub super aus dem vor upa 
upari tretenden praefix sa (Benfey 1, 284), welchem der sp. asper 
gleichgilt. ir. ist suas, welsch uwch, oder wie andere schreiben yucli 
super, gr. vnziog lat. supinus. 
Lat. simul, goth. sama, gr. «/<«, pefs. hem. im skr. sam und 
saha für den begrif mit, aus welchem saha und einem vermuteten 
sahum Benley 1, 386 das gr. '%vv avv und lat. cum leitet, woran 
301 sich ahd. ham (gramin. 2, 752) schlösse, dies alles bleibt noch
	        

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