Full text: Geschichte der deutschen Sprache. - Band 1 und 2

sches Staatsarchiv Marburg, Best. 340 
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GETEN 
inlaut G hingegen steht zur gr. tenuis nacli dem gesetz der Verschie 
bung, wie in Geta Gu|>a die inlaute T und TH fortgeschoben sind. 
Dieser grammatische einklang beider namen Geta und Dacus weckt 
das günstigste vorurtheil. es war höchst natürlich, dasz die dem deut 
schen organ angemessene gestalt des namens der Gothen theils in den 
meldungen der Römer auftauchte, theils im verlauf der zeit, beim stei 
genden wachsthum der deutschen macht, sich überall geltend machte 
und die ältere form Geta zuletzt verdrängte. 
Grösseres gewicht wird meiner ansicht die geographische und 
historische betrachtung verleihen. 
Die Gothen als sie später in der geschickte erscheinen werden 
fast ganz an derselben stelle getroffen, wo zuletzt die Geten saszen, 
in der Donaugegend und den nördlichen noch herkynischen Waldge 
birgen, die ihnen schon Slrabo anweist. Zwar Tacitus nennt im nord 
osten Deutschlands hinter den Lygiern auch Gothones und legt ihnen 
königthum, nicht die freie Verfassung der übrigen Germanen hei: trans 
Lygios Gothones regnantur, paulo jam adductius quam ceterae Ger- 
manorum gentes, nondum tarnen supra libertatem. wie bei den alten 
Geten wurzeln auch hei den jüngern Gothen könige; es verschlägt 
nichts, dasz sie, z. b. zur zeit des Ulfilas Alhanarich und Fridigern, 
judices heiszen. im jalir 19 nach Chr. tritt Catualda, einer ihrer edlen 
jünglinge in marcomannische händel verflochten auf. Bei diesen Go- 
thonen musz dem Tacitus wirklich kein Zusammenhang mit den Geten 
eingefallen sein, weil es zu nahe gelegen hätte, darüber etwas anzu 
merken; aber ihm vorzugsweise war der begrif und name Germaniens 
1S1 von Gallien her ausgegangen und das wenige, was er über die abge 
legnen Gothonen in erfahrung brachte, ihm aus dem bericht rheini 
scher Germanen zugeflossen, während die eigentlichen Geten von der 
Donauseite in Rom bekannt sein musten. man könnte auch einräu 
men, dasz diese Gothonen ein gen westen vorgerückter zweig der da 
maligen Geten waren, so wie früher die von Pylheas wahrgenommenen 
Guttonen am gestade der Ostsee vorsprung gewonnen hatten: den kern 
der Geten gieng das noch nichts an. Nicht anders halte ich die dem 
r ,< Tacitus sogar gallisch erscheinenden Gothinen wiederum für gelische 
' o ' vordringlinge, wie die [aufgewiesne nebenform Fsr^yoi hei Arrian allein 
^>- auszer zweifei setzt; das keltische element mag hier bloszer irthum 
^ie deutschheit der von suevischen, quadischen, hastarnischen 
|qi , ' nachharn umgebnen Geten wird aber noch mehr bestärkt durch Stra- 
J ' bons Versicherung s. 305, dasz das getische reich von der Römer 
macht bedrängt durch germanische bundsgenossen Unterstützung em- 
plieng. schon bevor sie eines gesamtnamens theilhaft waren wohnte 
deutschen Stämmen dies gefiihl ihrer gemeinschaft bei, und an fremde 
wäre die hilfe nicht verschwendet worden, sollten umgekehrt nicht 
auch in des Maroboduus herschaft und kriege gothische d. i. getische 
bundsgenossen geflochten gewesen sein? dem Domitian weigerten sich 
die Quaden und Markomannen des mitzugs gegen die Daken (Dio Cass. 
67, 7.) Wie, das kriegerische, an der Donau her einziehende volk
	        

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