Full text: Altdeutsche Gespräche

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© Hessisches Staatsarchiv Marburg, Best. 340 Grimm Nr. L 41 
faffern fondern von fchreibern geredet und mehreren die bemühung beige 
legt eine alterthümliche fchrift nachzuahmen: jetzt, wo lieh ausweift dafs 
alles deutfche in diefem codex, felbft die aus Tatian entnommenen ftellen, 
fehr wahrfcheinlich von einer und derfelben hand herrühren, bin ich der 
meinung dafs in der urfchrift verfchiedene nach einander das nicht fchwie- 
rige gefchäft übernommen hatten den angefangenen gefprächen zuzufetzen 
was ihnen in diefer art einfiel und was fie für reifende nützlich hielten; dar 
aus erklären fich die eingemifchten rohen zeilen, die zu dem übrigen inhalt 
nicht paffen, natürlich bediente fich ein jeder feiner mundart und fchreib- 
weife. das fachliche Wörterbuch (1-12) wird wohl das felbftändige werk 
eines andern gewefen fein, dem fich der Urheber der gefpräche anfchlofs: 
möglich auch dafs diefer es felbft verfafst hatte, der welcher in das lateini- 
fche Wörterbuch die deutfchen zeilen einzeichnete, behielt was er vorfand 
buchftäblich bei und bemühte fich zugleich eine alterthümliche fchrift dar- 
zuftellen. ob er nur einen auszug aus feiner quelle machte, oder ob er dort 
nicht mehr vorfand, läfst fich nicht entfcheiden, aber jenes dünkt mich wahr- 
fcheinlicher, weil wir auch von dem fachlichen Wörterbuch nur den anfang 
erhalten, und er bei den gefprächen mit zeile 107 vielleicht abbrach, um 
noch ein paar proben aus einer handfchrift Tatians zu geben, in welchen 
fich keine fpur ungewöhnlicher fprachformen findet, dafs ein fremder, in 
Deutfchland reifender die gefpräche zum handgebrauch nieder gefchrieben 
habe, wie Waitz (Gotting, anzeigen 1851 ft. 97. 98 feite 968) annimmt, fcheint 
mir gegen alle wahrfcheinlichkeit zu fein. Waitz erblickt die entftellung 
deutfcher (doch wohl hochdeutfcher) laute durch eine fremde feder, ich da 
gegen die fchwierige auffaffung der eigentümlichen laute einer niederdeut- 
fchen mundart. er müfte dann drei fremde federn voraus fetzen, die fich 
zufällig zufammen gefunden und ihre verfchiedene fchreibweifen und zwar 
(was einem fremden fchwer fallen follte) ziemlich folgerichtig durchgeführt 
hätten. 
Geiftliche waren die verfaffer gewis nicht, das beweift der bis auf 
weniges weltliche inhalt, zumal in den Parifer blättern, wir wollen ihn näher 
betrachten. 
Ein herr läfst frühmorgens feinen knecht rufen und heifst ihn das rofs 
fatteln. der knecht wendet ein (ich nehme an dafs die 48 fte zeile vor die 47 fte 
zu ftellen ift) es fehle an dem nötigen, womit er vielleicht futter für das
	        

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