Full text: Die jüdischen Einwohner zu Kassel

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Vorwort 
Die Anwesenheit jüdischer Einwohner in Kassel geht nachweisbar bis ins 
13. Jahrhundert zurück. Ihre Anzahl beschränkte sich wegen unterschiedlicher 
und unsicherer Aufenthaltsgenehmigungen (Schutzbriefe) und zahlreicher 
anderer Einschränkungen (Berufs- und Bewegungsverböte) immer auf wenige 
Familien. 
Gemessen an der wachsenden Anzahl von contributionspflichtigen Juden und 
deren häufiger verzeichneten Namen in den Einwohnerlisten beginnt erst 
Anfang des 18. Jahrhunderts ein neuer Abschnitt jüdischer Geschichte in 
Kassel. 
Dieser umfasst einen Zeitraum von ersten Aufstiegen einiger Familien zu 
höherem Ansehen und Wohlstand (Hofjuden, Kammeragenten, Hausbesitz) 
über die Gleichstellung der Juden mit allen übrigen Staatsbürgern durch 
das königliche Dekret Jerömes von 1808, welches auch die den Juden auferlegten 
Abgaben aufhebt, über die Entwicklung zu wirtschaftlichem Erfolg und 
gewonnener Wertschätzung bis hin zu den Jahren bösartiger Verunglimpfungen, 
rücksichtsloser Vertreibungen und letztlich zu der entsetzlichen,kaum 
vorstellbaren Vernichtung durch das verbrecherische Regime der national 
sozialistischen Diktatur im Holocaust.* 
Die zahlreichen Kontakte mit emigrierten jüdischen Familien und die positive 
Resonnanz auf meine Veröffentlichungen über die jüdischen Familien im 
19. und 18. Jahrhundert haben mich ermutigt, meine Arbeiten bis ins Jahr 1942 
des 20. Jahrhunderts weiterzuführen. 
Die kontinuierliche Beschäftigung mit der Kasseler jüdischen Geschichte hat 
mich um viele Erfahrungen bereichert und zu freundschaftlichen Kontakten 
geführt, die ich nicht mehr missen möchte. 
In diesem Sinne wünsche ich, daß diese Arbeit dazu beiträgt, vielen jüdischen 
Familien ein Wegweiser in ihre Vergangenheit zu sein und daß neue Brücken 
zu gegenseitigem Vertrauen und zu einem freundschaftlichen Miteinander 
geschlagen werden mögen. 
Helmut Thiele 
* Für Familien, die Opfer des nationalsozialistischen Terrors geworden sind, wurde 1986 auf 
Betreiben des Kasseler Magistrats folgendes Gedenkbuch verfaßt: 
Beate Kleinert und Wolf gang Prinz T 'Namen und Schicksale der Juden Kassels 1933-1945
	        

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