Full text: Der Weltkrieg 1914 - 1918 (2a)

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Die Verluste des Regiments vor Lodz betrugen: Tot 4 Offz. 89 Mann, 
verwundet 7 Offz. 375 M. vermißt 22 M. gefangen 5 M. Das war in Anbe= 
tracht der geringen Stärke hoch u. schmerzlich. Aber der Einsatz hatte 
gelohnt. Das Verhalten der Truppe u. der unteren Führer war ausgezeich= 
net. Wenn sich hier u. da vereinzelt Erscheinungen von Ermüdung bemerk= 
bar machten, so ist das in Rücksicht darauf, was die Truppe durchgemactfc 
hatte, nicht zu verwundern. Wir kamen durch die Verhältnisse in eine 
Art der Kriegführung hinein, mit der man nicht gerechnet hatte. 
Nachdem wir fast 3 'Wochen vor Lodz gelegen hatten unter nicht sehr 
gemütlichen Nebenumständen, dauernd die Dächer u. hohe Schornsteine vor 
uns gesehen hatten, hofften wir nun als Siegespreis auch in die Stadt 
einziehen zu können,'um uns darin bei guter Unterkunft u. Verpflegung 
für die vergangenen Entbehrungen schadlos halten zu können. Das kam 
aber mal wieder anders. Der Mensch denkt u. die Führung lenkt. Die Ver= 
folgung, die sofort am Morgen des 6.12. aufgenommen wurde führte uns 
westlich an Lodz vorbei in der Richtung auf Pabianäce. Im Vorbeimarsch 
an den verlassenen russ. Stellungen konnten wir uns aber von ihrer Stär 
ke überzeugen u. daß es ganz unmöglich gewesen, sie mit unseren schwa= 
chen Kräften zu nehmet. Das war auch eine Genugtuung. 
Nach einem kurzen Marsch von wenigen Kilometern wurden wir wieder an 
gehalten. Es kam zu einem längeren Halt bei Jagodnica, der vom Morgen 
bis zum Abend u. zur Dunkelheit dauerte. Diese lange Wartezeit, die 
sich durch Ausgabe neuer Anordnungen ergab, hätte sehr gut dazu ausge= 
nutzt werden können, der ganzen Truppe mal wieder den lang entbehrten 
Aufenthalt unter einem Dach in einem geheizten Raum zu verschaffen. 
Daß der Halt lange dauern würde, wußten die höheren Stellen, die Führer 
bei der Truppe konnten es aber nicht wissen u. mußten jeden Augenblick 
mit erneutem Antreten rechnen. Anordnungen für eine geordnete Verteil 
lung u. Unterbringung konnten daher von uns nicht getroffen werden. 
Durch kleine Rücksichten können der Truppe bei einigem Nachdenken gut 
große Erleichterungen verschafft werden . 
Nach Beendigung des Herumliegens lange nach Eintritt der Dunkelheit 
wurden wir in generu entgegengesetzter Richtung in Marsch gesetzt mit 
dem Ziel Zgierz, das nach Mitternacht erreicht wurde. Damit war das 
Kapitel: "Lodz" beendet u. ein anderes wurde aufgeschlagen. Auf dem 
Marsche ließ ein widerlicher Verwesungsgeruch von nicht begrabenen Lei= 
chen die vergangenen Tage wieder aufleben. Einige waffenlose Russen, 
die sich im Walde verborgen hatten, schlossen sich freiwillig unserer 
Kolonne a^L.
	        

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