Full text: Der Weltkrieg 1914 - 1918 (2a)

Darüber war große Enttäuschung, denn wir hatten schon gehofft, 
in ununterbrochenem Zuge bis Warschau vorzudringen, dort als 
Sieger einzuziehen u. uns einige Zeit guter Quartiere zu erfreu= 
en. Die vergoldete Kuppel der Katedrale leuchtete uns verlock= 
end entgegen. Es war aber sehr gut, daß unsere Wünsche nicht in 
Erfüllung gingen, wir hätten sonst in ein Wespennest gestochen. 
Der Versuch der Gruppe Mackensen, die Festung durch Überraschung 
zu nehmen, war schon nicht mehr durchführbar als wir bei Grojec 
auf Widerstand stießen. Die Russen hatten jetzt schon größere 
Massen von Truppen in Warschau zusammengezogen u. es kam für 
uns jetzt nur noch darauf an, zu verhindern, daß diese sich ge= 
gen die linke Flanke der 9 Armee entwickelten. Dazu brauchten 
wir eine annehmbare Stellung, die wir uns nunmehr erkämpft hat= 
ten. Diesem Riegel gegenüber schoben die Russen dauernd Truppen 
nach Westen, um unseren linken Flügel zu umfassen u. die Grupge 
Mackensen von Warschau abzudrängen. Zu dem gleichen Zweck ver= 
suchten russ. Truppen die Weichsel dicht oberhalb der Festung / 
zu überschreiten u. die rechte Flanke unserer Gruppe zu umfas= 
sen. Aus der Abwehr gegen diese feindlichen Maßnahmen entwick= 
eiten sich für uns die in den nächstenm Tagen folgenden Bewegun= 
gen u. Kämpfe. 
Fortgang der Schlacht vor Warschau. Rokitno. 
(Skizze 13) 
In den nächsten Tagen, dem 12. u. 13.1o.14. hatte sich nichts 
besonderes ereignet. Die Russen, die bis hinter die Linie der 
Forts zurückgegangen waren, verhielten sich ruhig, beschossen 
uns aber mit schwerer Artillerie ohne jeden Erfolg. Auf weitere 
Entfernung konnte man mit dem Glase Bewegungen nach Westen fest= 
stellen u. Ausladungen von Truppen auf einem der Warschauer Bahn 
höfe. Wir hatten fleißig an dem Ausbau der Stellung gearbeitet 
u. sie war am Abend des 13.1o.14 gut verteidigungsfähig. Zur Be= 
lohnung dafür wurden wir am anderen Morgen herausgezogen u. ei= 
ner anderen Verwendung zugeführt. Dazu war das Rgt. 129 schon 
am 14.1o.14. von 3 Uhr ab durch das Landw. Rgt. 47 abgelöst wor= 
den. 
Die zunehmende Bedrohung des linken Flügels der vor Warschau 
stehenden deutschen Truppen gab die Veranlassung, daß die kampf= 
kräftigere
	        

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