Full text: Der Weltkrieg 1914 - 1918 (2a)

Um 1 Uhr Nachts erhielt ich dann aber von unserem Generalkdo. 
den Befehl, ohne Rücksicht auf das I.Res.Korps dem XVII. gegen 
3 Uhr zu folgen. Das geschah dann auch. Nachtruhe hatte es für 
mich u. meinen Stab nicht gegeben. Daran hatte man sich auch 
schon allmählich gewöhnt. Zu meiner Kolonne gehörte außerdem 
noch die II.Abteilung Feldartl.Rgts 72 u. eine Pionierkompagnie 
mit Divisions-Brückentrain. Der Aufbruch in der frühen Morgen= 
stunde ging an sich glatt, nur bei der Artillerie machte er ei= 
nige .Schwierigkeiten. Sie hatte die Erfordernisse des Krieges 
noch erfaßt. 
Vom Generalkommando erfuhr ich dann noch, daß die 36.Division 
nach Walterkehmen marschiere. Darauf nahm ich zunächst Schesto= 
cken als Marschziel für mich, um entsprechend abgesetzt zu sein 
u. im Bedarfsfall flankierend wirken zu können. Unterwegs wurde 
mir dann befohlen auf Gr.Tellitzkehmen zu marschieren. 
Während des Vormarsches wurde der Geschützdonner immer lauter 
u. stärker. Es wurde klar, daß die Schlacht schon im vollen Gan= 
ge sei. Bei Gr.Tellitzkehmen angekommen erfuhr ich, daß ich nun 
nicht mehr zur Verfügung des Generalkommandos stehe u. der 69. 
Brigade wieder unterstellt sei. Von dieser erhielt ich darauf den 
Befehl, vorläufig auf Budszedszen zu rücken. 
Während meines Vormarsches von Darkehmen hierher waren von mei= 
nen Husaren-Patrullen mehrfach Meldungen über den Anmarsch feind= 
licher Kolonnen aus der Richtung von Goldap eingegangen. Diese 
Meldungen verdichteten sich jetzt derart, daß mir die Planke des 
Armeekorps bedroht zu sein schien. Da ich mich auf dessen Äußer= 
stem rechtem Flügel befand, hielt ich mich für verpflichtet, auch 
ohne Befehl, dessen Schutz zu übernehmen. Ich unterbrach daher 
dem Marsch auf Budszedszen u. nahm eine Beräätschaftstellung bei 
Praßlauken ein mit der Front nach Süden. In dieser Aufstellung 
aahselten wir die ersten Grüße des Feindes in der Form von Schrap= 
nels aus nördlicher Richtung. Sie richteten aber keinen Schaden 
an, weil die Sprengpunkte sehr hoxjh lagen. 
Nach einer Stunde des Verweilens gewann ich die Überzeugung, 
daß kein Feind mehr aus südlicher Richtung zu erwarten sei, u. 
setzte den Marsch in der befohlenen Richtung fort. Die erwähnten 
Meldungen waren aber doch richtig gewesen, wie ich später erfuhr. 
Die russischen Kolonnen hatten dann eine andere Richtung einge= 
schiagen u. in den Kampf eingegriffen, den südlich von uns das 
I.Res.Korps führte. Meine Vorsicht war somit begründet gewesen.
	        

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