Full text: Der Weltkrieg 1914 - 1918 (2a)

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Geschützen auf die entscheidende Stelle Zusammenwirken zu lasse. Zahl= 
reiche Beispiele davon sind angeführt worden. Der russische Soldat lei= 
stete dem starken Artilleriefeuer gegenüber wenig Widerstand. 
Den russischen Angriffen und Gegenangriffen fehlte in den meisten 
Fällen die innere Triebkraft, das Vorwärtsstreben des einzelnen Mannes. 
Die Leute mußten zu den Angriffen vorgetrieben werden, durch Vorgesetz* 
te oder Kosaken. Oft mit der Peitsche. In dichten Massen und mehreren 
den 
Linien hintereinander vorgeführt, boten sie einen beängstigen Anblick, 
aber auch ein dankbares Ziel für ruhiges Feuer. Hier entschieden die 
stärkeren Nerven. Die Selbständigkeit und Anpassungsfähigkeit der un= 
bei uns ... , ... öer Russen 
teren und mittleren Führer war wert großer. Die nohere Führung war 
der unsrigen dagegen gleichwertig. Der russische Soldat kämpfte auch 
im allgemeinen ohne Begeisterung und wußte nicht wofür. 
Während der geschilderten Kämpfe in diesen Sommermonaten haben sich 
die Erfahrungen, die schon zu Beginn des Krieges gemacht wurden, 
erneut bestätigt, nämlich von der starken Wirkung des feindlichen Ma= 
schinengewehrfeuers. Das gilt besonders für die Verteidigung. Hatte 
man noch vor dem Kriege stellenweise geglaubt, im Angriff den Vertei= 
diger durch Gewehrfeuer niederhalten und durch Artilleriefeuer zum 
Sturm reif machen zu können, so erwies sich das sofort als ein großer 
Irrtum, sofern die feindliche Front gut mit Maschinengewehren besetzt 
war. Die Russen waren durch ihre Erfahrungen im Kriege mit Japan be« 
lehrt worden und uns in der Ausrüstung mit M.Gs. um 1/3 überlegen. 
So entstand für unsere Führung die wichtige Frage der Niederhaltung 
oder Vernichtung der feindlichen M.Gs. Das konnte zunächst nur durch 
Einsatz von Artillerie geschehen. Minenwerfer wurden erst später ein= 
geführt. Die eigene Artillerie hatte aber auch die feindliche zu be= 
kämpfen und niederzuhalten. Entzog man ihr von dieser Aufgabe Teile 
für andere Kampfzwecke, so wurde die feindliche Artillerie entlastet 
und konnte sich mehr gegen die Infanterie des Angreifers wenden und 
ihr das Vorwärtskommen erschweren. Nur wenn man an Artillerie eine ge= 
wisse Überlegenheit hatte, waren diese Schwierigkeiten geringer. Hatte 
man sie aber nicht, so mußte man sich wenigstens an der entscheidenden 
Stelle durch Zusammenfassen von Batterien sie zu schaffen versuchen. 
Jeder Angriff erforderte daher eingehende^ Überlegung und Vorbereitung 
gen. Mit einem schematischen Verfahren und der Zuweisung von Gefechts= 
streifen allein war die Sache nicht gemacht, ebensowenig wie mit An= 
griffshetze, die anfänglich sehr beliebt war. Erkennen der zum An= 
griff geeigneten Stellen, Zusammenfassen der Kräfte dahin und Wendig= 
keit
	        

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