Full text: Der Weltkrieg 1914 - 1918 (2a)

Die Schlacht bei Gumbinnen am 2o.8.1914. 
(Skizzen 2, 3, 4) 
Vorläufig schien es so, als wenn wir längere Zeit bei Darkehmen blei= 
ben sollte,denn wir erhielten nach dem Eintreffen den Befehl, den Ab= 
schnitt des Angerapp-Flusses zu besetzen u. im Falle eines feindlichen 
Angriffes zu verteidigen. Das sah gerade nicht nach Angriffsabsichten 
aus. Da der Fluß tief liegt u. von beiden Seiten überhöht wird, war er 
selbst zur Verteidigung ganz ungeeignet. Ich ritt daher zunächst auf 
das jenseitige Ufer, um dort eine geeignete Verteidigungstellung zu 
suchen. Zu meiner großen Freude fand ich dort schon eine fertig ausge= 
baute Feldstellung, deren Vorhandensein unseren leitenden Stellen offen 
bar nicht bekannt war. Ich ließ die Stellung mit einem Batl. besetzen 
u. behielt die beiden anderen geschlossen hinter den Flügeln. 
In dieser Aufstellung verblieben wir auch noch am 19.8.14. Im Laufe 
dieses Tages sammelte sich die ganze 36.Division in u. bei Darkehmen. 
Man hörte Kanonendonner aus weiter Ferne von Osten. Was dort los war, 
wußte man zunächst nicht. Während des Wartens auf dem Marktplatz von 
Darkehmen erhielt ich ein Telegramm von meiner Frau aus Graudenz,worin 
sie -unseres heutigen Hochtzeitstages gedachte. Meine Antwort darauf ist 
nie in ihre Hände gelangt. 
Gegen 5 Uhr Nachm, kam Leben in die wartenden Massen. Der Kommandie= 
rende General v. Mackensen traf mit seinem Chef im Auto ein u. teilte 
mit, daß das I.Armeekorps östlich von Gumbinnen in heißem Kampfe stehe, 
u. unser Korps werde ihm zu Hilfe eilen. Die 36.Division wurde sofort 
dahin in Marsch gesetzt, leider aber ohne das Regiment 129. Dieses er= 
hielt den Befehl, die bisherige Stellung besetzt zu halten zur Siche = 
rung sowohl des Übergangs über die Angerapp, als auch als Rückhalt für 
das vormarschierende XVII. Armeekorps. In einer persönlichen Bespre = 
chung setzte mir Exz.Mackensen die Bedeutung meines Auftrages noch nä= 
her auseinander. Er stellte mir anheim, dem Korps zu folgen, sobald ich 
nach der Lage meine Aufgabe für erfüllt halte. Das konnte geschehen, 
sobald das I.Res.Korps, das 1o Klm. weiter südlich noch im Anmarsch zur 
Angerapp war, diese erreicht u. auf dem östlichen Ufer einigermaßen £&$ 
festen Fuß gefaßt haben würde. Durch Fernsprechverbindung mit dem Gent. 
Kdo des I.Res. Korps erfuhr ich, daß diese Vorraussetzung für den näch= 
sten Vormittag etwa gegen 4 Uhr zu erwarten sei. Dementsprechend ordne= 
te ich die Marschbereitschaft an. Daß das XVII. Korps zunächst ohne 
uns abmarschiert war, wurde allgemein bedauert, denn wir fürchteten,daß 
w.ir bei der ersten Ernte kriegerischer Lorbeeren nicht beteiligt sein 
würden.
	        

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