Full text: Der Weltkrieg 1914 - 1918 (2a)

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I. ABSCHNITT. 
Als Regimentskommandeur in Ostpreußen u.in Polen 1914. 
Me Mobilmachung. 
Der Krieg hatte für uns eigentlich schon auf dem Truppenübungsplatz 
Aris begonnen, als wir den Befehl zum sofortigen Rücktransport nach 
G-raudenz erhielten. Das geschah vor dem Beginn einer Übung im Regiment 
als ich gerade die berittenen Offiziere zu einer Befehlserteilung ver= 
sammelt hatte. Dabei konnte ich schon die ersten Beobachtungen machen 
über die Seelenstärke der einzelnen Persönlichkeiten. Sie prägte sich 
auf denn Gesichtern aus, als der erwähnte Befehl eintraf, denn nun 
wurde es ernst. Besonders vorteilhaft fiel mir der Major Schwertfeger 
auf. Er strahlte beinahe vor Befriedigung. Er war der geborene Soldat, 
ein Mann der Tat. Sein späteres Verhalten vor dem Feinde entsprach 
diesen Erwartungen auch ganz. Er war einer der Besten. Ein anderer 
Herr erbleichte. Er war dann auch dementsprechend. Die große Anzahl 
der Herren verhielt sich aber ernst u. würdig, wie es der Lage angemes 
sen war. Von irgendwelcher Aufregung war bei den Offizieren nichts zu 
bemerken. 
Bei der Bevölkerung schien das anders zu sein. Schon auf der Fahrt 
nach Graudenz wurde uns berichtet, daß man dort in Angst sei vor der 
angeblich im Anmarsch befindlichen russischen Kavallerie. Bei der Ab= 
Wesenheit der Truppen fühlte man sich schutzl os preisgegeben. Die 
Kriegspsychose hatte somit begonnen. Zur allgemeinen Beruhigung mar= 
schierte ich daher trotz der frühen Morgenstunde bei der Ankunft mit 
Musik u. viel Getöse vom Bahnhof durch die ganze Stadt zur Kaserne u. 
nahm noch vor deren Tor einen Vorbeimarsch ab. Das hat auch beruhigend 
gewirkt. 
Von nun ab nahmen die weltgeschichtlichen Ereignisse ihren Lauf. 
Am 31.7.14. wurde die sogenannte "Drohende Kriegsgefahr" angeordnet. 
Das war schon ein Übergang zur Mobilmachung. Der endgiltige Mobilma= 
chungsbefehl kam am 1.3.14. Mittags 12 Uhr. Nun gab es kein"Zurück" 
mehr. 
Eigentlich
	        

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