Full text: Der Weltkrieg 1914 - 1918 (2a)

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Die Russen hatten in diesen Tagen auf der ganzen Front am San 
stark angegriffen und waren auch an einer anderen Stelle der 4. 
Armee hei L e z a j s k durchgehrochen. Durch diese Angriffe 
sollte vermutlich der bevorstehende Fall von Przemysl ver= 
schieiert werden. Das Oberkommando der ö.-u. Armee sah sich ver= 
anlaßt aus der Mitte der Front der 4.Armee ein ganzes Korps zur 
Hilfe zu schicken. 
In der folgenden Nacht vom 2. zu m3 «&15. wurde auch meine Stel= 
lung heftig angegriffen. Der Hauptstoß richtete sich hei K r a w - 
c e gegen das Rgt. 217, das tadellos standhielt und sogar noch 
2oo Gefangene machte. Weiter östlich war auch das Rgt.218 ange= 
griffen worden, im besonderen dessen 4. Kompagnie. Die Russen 
waren hier stellenweise schon in die Gräben eingedrungen, wurden 
aber im Nahkampf wieder vertrieben. Gefangene wurden hier nicht 
gemacht. 
Hätten in dieser aufregenden Nacht die beiden Regimenter die 
-ke44en--Aeg-iiftenrt-e-r nicht so tapfer ausgehalten, dann hätte alles 
weichen müssen, was links von uns bis zur Weichsel stand. Es ist 
zweifellos das Verdienst der Brigade, an diesem Tage die Lage ge= 
rettet zu haben. 
Am gleichen Tage kam die Nachricht von der Eroberung der Fest= 
tung Przemisl, die große Freude auslöste. In diese Stim= 
mung paßte es sehr gut, daß es der Intendantur gelungen war, eine 
große Sendung Bier (Schultheis-Versandt) zu erlangen, das zu bil= 
ligem Preise abgegeben wurde. Der Andrang war natürlich groß,denn 
so etwas war für uns eine Seltenheit. 
Infolge der erwähnten Verschiebungen an unserer Front lag das 
Brigade-Stabsquarier nicht mehr passend zur Stellung. Auch die 
Einschläge der russischen Artillerie näherten sich uns bedenklich. 
Ich mußte mich zu einem Wechsel entschließen. Da hinter der Front 
, . „ ^ vorhanden , . ich i^i diesem 
keine Orte waren, sondern nur Wald, so ließ darin durch Pioniere 
an einer geeigneten Stelle ein Lager von Blockhäusern bauen, das 
wir am 6.6.15 « bezogen. Die notwendigsten Möbel hatten wir dem 
Pfarrhause leihweise gegen Bescheinigung entnommen. Sie waren dort 
auch entbehrlich/, da der Ort S t a n y gleichzeitig von den 
Einwohnern geräumt werden mußte. Es war dies eine wohlbegründete 
Schutzmaßnahme gegen Spionage, die in dieser Gegend besonders 
nötig war. Auch unserem Pfarrer hatte ich nicht getraut u. ließ 
ihn überwachen.
	        

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