Full text: Kinder- und Haus-Märchen (Bd. 2)

stMgen. Wie der aber an den Baum herantrat, sprang ein Löwe 
darunter auf, schüttelte sich und brüllte, daß das Laub an den 
Bäumen zitterte: ,,wer mir mein singendes, springendes Löwen- 
eckerchen stehlen will, den freff' ich auf!" Da sagte der Mann: 
„das hab' ich nicht gewußt, daß der Vogel dir gehört; kann ich 
mich nicht von dir loskaufen?" „ Nein!" sprach der Löwe, „da 
ist nichts, was dich retten kann, als wenn du mir zu eigen ver 
sprichst, was dir daheim zuerst begegnet, willst du aber das thun, 
so schenk' ich dir das Leben und den Vogel für deine Tochter oben 
drein." Der Mann aber wollte nicht und sprach: „daö könnte 
meine jüngste Tochter seyn, die hat mich am liebsten, und lauft 
mir immer entgegen, wenn ich nach Haus komme." Dem Diener 
aber war angst und er sagte: „es könnte ja auch eine Katze oder 
ein Hund seyn!" Da ließ sich der Mann überreden, nahm mit 
traurigem Herzen das singende, springende Löweneckerchen und 
versprach dem Löwen zu eigen, was ihm daheim zuerst begegnen 
würde. 
Wie er nun zu Haus eintritt, war das erste, was ihm be 
gegnete, niemand anders, als seine jüngste, liebste Tochter; die 
kam gelaufen und küßte und herzte ihn, und als sie sah, daß er 
ein singendes, springendes Löweneckerchen mitgebracht hatte, freute 
sie sich noch mehr. Der Vater aber konnte sich nicht freuen, son 
dern sing an zu weinen und sagte: „o weh! mein liebstes Kind, 
den kleinen Vogel hab' ich theuer gekauft, dafür hab' ich dich 
einem wilden Löwen versprechen muffen, wenn er dich hat, wird 
er dich zerreissen und fressen" und erzählte ihr da alles, wie es
	        

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