Full text: Kinder- und Haus-Märchen (Bd. 1)

XXVI 
das Ganze nicht darauf angelegt wird, sondern das Einzelne sich 
seines Zusammenhangs mit dem andern bewußt ist; alles Epische 
steht Ln einem sichern Kreis, dessen deutliche Bezeichnung eben 
deshalb nicht immer nöthig war. 
So könnte man von dem Wesen der Märchen reden, wenn 
man sie bloß als etwas in der Gegenwart einmal Vorhandenes 
betrachten wollte. Fragt'man aber nach ihrer Herkunft, so weiß 
niemand von einem Dichter und Erfinder derselben; sie erscheinen 
aller Orten als'Ueberlieferungen und als solche Ln mehr als 
einer HLLisicht merkwürdig. Erstlich ist es unwidersprechlich, daß 
sie schon seit Jahrhunderten auf diese Weife unter uns fortgelebt, " 
zwar mannigfach im Aeußern sich umwandelnd, aber doch bei ihrem 
eigentlichen Inhalte beharrend. Wollte man annehmen, daß sie 
von irgend einem Punkt in Deutschland anfänglich ausgegangen 
wären, so steht ihre Verbreitung durch so viele ganz von einander 
getrennte Gegenden und Landschaften, und die fast jedesmal eigen- 
thümliche und unabhängige Bildung entgegen; sie müßten an je- ^ 
dem Orte wieder neu umgedichtet worden seyn. Eben darum ist ; 
auch eine Mittheilung durch Schrift, die ohnehin bei dem Volk 
kaum vorkommt, nicht denkbar. Aber nicht bloß in den verschie 
densten Gegenden, wo deutsch gesprochen wird, sondern auch bei 
den stammverwandten Nordländern und Engländern finden wir sie 
wieder; noch weiter, bei den wälschen und selbst bei den slavischen 
¥ 
Zs 1.44L*.
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.