Full text: Kinder- und Haus-Märchen (Bd. 1)

chen aber hütete sich und ging gerad fort ihres Wegs, und sagte 
der Großmutter, daß sie den Wolf gesehen, daß er ihm guten 
Lag gewünscht aber so bös aus den Augen geguckt; „wenns 
nicht auf offner Straße gewesen, er hätt mich gefressen." —. 
„Komm, sagte die Großmutter, wir wollen die Thüre verschließen, 
daß er nicht herein kann." Bald darnach klopfte der Wolf an 
und rief: „mach auf, Großmutter, ich bin das Rothkäppchen, ich 
bring dir Gebackenes." Sie schwiegen aber still und machten die 
Thüre nicht auf, da ging der Böse etlichemal um das Haus und 
sprang endlich aufs Dach, und wollte warten bis Rothkäppchen 
Abends nach Haus ging, dann wollt' er ihm nachschleichen und 
wollts in der Dunkelheit fressen. Aber die Großmutter merkte, 
was er im Sinn hatte. Nun stand vor dem Haus ein großer 
Steintrog, da sprach sie zu dem Kind: „hol' den Eimer, Roth 
käppchen, gestern hab ich Würste gekocht, da trag das Wasser, 
worin sie gekocht sind, in den Trog." Rothkäppchen trug so 
lange bis der große, große Trog ganz voll war. Da stieg der 
Geruch von den Würsten dem Wolf in die Nase, er schnupperte 
und guckte hinab, endlich machte er den Hals so lang, daß er sich 
nicht mehr halten konnte, und anfing zu rutschen; so rutschte er 
20m Dach herab und gerade Ln den großen Trog hinein und er 
trank. Rothkäppchen aber ging fröhlich nach Haus und that ihm 
niemand etwas zu Leid.
	        

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