Full text: Kinder- und Haus-Märchen (Bd. 2)

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ging, der Soldat wollte da auch bleiben »Nb vm 
dingte sich bei demselben Meister als Hausknechts 
Das wär' gut gewesen, aber der Soldat hatte 
keine Lust am Arbeiten, lag auf der Bärenhaut 
und es dauerte nicht lang, so wurde er vom MeK 
per weggeschickt; der fleißige wollt' ihn aus Treue 
nun nicht allein lassen, sagte dem Meister auf und 
zog mit ihm weiter. So ging's aber immerfort; 
hatten sie Arbeit, so dauerte es nicht lang, weil 
der Soldat faul war und fortgeschickt wurde, der 
andere aber ohne ihn nicht bleiben wollte. Einmal 
kamen fle in eine große Stadt, weil aber der Sole 
. bat keine Hand regen wollte, ward er am Abend 
schon verabschiedet und sie mußten dieselbe Nacht 
wieder hinaus. Da führte sie der Weg vor einen 
unbekannten großen Wald; der Furchtsame sprachs 
„ich geh' nicht hinein, darin springen Hexen und 
Gespenster herum." Der Soldat aber antwor 
tete:'„ei was! davor fürcht' ich mich »och nicht!" 
ging voran, und der Furchtsame, weil er doch nicht 
von ihm lassen wollte, ging mit. In kurzer Zeit 
hatten sie den Weg verloren und irrten in der 
Dunkelheit durch die Bäume, endlich sahen sie 
ein Licht. Das suchten sie ans und kamen zu 
einem schönen Schloß, das hell erleuchtet war, 
und haußen lag ein schwarzer Hund und auf 
einem Teich neben saß ein rother Schwan; als 
sie aber hineintralen, sahen sie nirgends eine» 
Menschen, bis ste in die Küche kamen, da silß noch 
eine graue Katze bei einem Topf am Feuer und 
kochte. Sie gingen weiter und fanden viele präch 
tige Zimmer, die waren alle leer, in einem aber 
stand ein Tisch mit Essen und Trinken reichlich besetzt. 
Weil sie nun großen Hunger hatten, machten sie 
sich daran und ließen sich's gut schmecken. Dar 
nach sprach der Soldat: „wenn dn gegessen hast 
und satt worden bist, sollst du schlafen gehen!" 
machte eine Kammer auf, darin standen zwei 
schöne Betten. Sie legten sich, aber als sie eben 
einschlafen wollten, fiel dem Furchtsamen ein, daß 
sie noch nicht gebetet hätten, da stand er auf und 
sah in der Wand «inen Schrank, den schloß er 
auf und war da ein Crucifix mit zwei Gebetbü 
chern dabei. 'Gleich weckte er den Soldaten, daß 
er aufstehen mußte und sie knieten beide nieder 
und thaten ihr Gebet; darnach schliefen sie ruhig 
ein. Am andern Morgen kriegte der Soldar 
einen heftigen Stoß, daß er in die Höhe fuhr: 
„ du, was schlägst du mich " rief er dem andern 
zu, der aber hatte auch einen Stoß gekriegt und 
sprach: „ was stößt du mich, ich stoß dich nicht!" 
Da sagte der Soldat: „ es wird wohl ein Zeichen 
seyn, daß wir hervor sollen." Wie sie nun heraus 
kamen, stand schon ein Frühstück auf dem Tisch, 
der Furchtsame sprach aber: ,,eh' wir es anrüh 
ren, wollen wir erst nach einem Menschen suchen." 
,>Ia, sagte der Soldat, ich mein' auch immer, die
	        

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