Full text: Kinder- und Haus-Märchen ([1])

zweiten Tochter „nimm du den Pantoffel, und 
wenn er dir zu kurz ist, so schneide lieber vor/ 
ne an den Zehen ab." Da nahm sie den Pan 
toffel in ihre Kammer, und als der Fuß zu 
groß war, da biß sie die Zähne zusammen und 
schnitt ein groß Stück von den Zehen ab, und 
drückte den Pantoffel geschwind an. Wie sie 
damit hervorrrat, meinte er, das wäre die rech 
te und wollte mit ihr fortfahren. Als er aber 
^'das Thor kam, riefen die Tauben wieder.- 
„Rucke di guck, rucke di guckt 
Blut ist im Schuck: 
Der Schuck ist zu klein, 
Die rechte Braut sitzt noch daheim!" 
Der Prinz sah nieder, da waren die weißen 
Strümpfe der Braut roth gefärbt und das 
Blut war hoch herauf gedrungen. Da brachte 
sie der Prinz der Mutter wieder und sagte.- 
„das ist auch nicht die rechte Braut; aber ist 
nicht noch eine Tochter im Haus" „Nein, 
sagte die Mutter, nur ein garstiges Afchenput- 
tel lst noch da, das sitzt unten in der Asche, 
dem kann der Pantoffel nicht passen." Sie 
wollte es auch nicht rufen lassen, bis es der 
Prinz durchaus verlangte. Da ward Aschen 
puttel gerufen und wie es hörte, daß der Prinz 
da sey, wusch es sich geschwind Gesicht und 
Hände frisch und rein; und wie es in die 
Stube trat, neigte es sich, der Prinz aber 
re'^te ihr den goldenen Pantoffel und sagte: 
„probier ihn an! und wenn er dir paßt, wirft 
du meine Gemahlin." Da streift es den schwe 
ren Schuh von dem linken Fuß ab, seht ihn 
auf oen goldenen Pantoffel und drückte ein klein 
wenig, da stand es darin, als wär er ihm an 
gegossen. Und als es sich aufbückte, sah ihm 
der Prinz ins Gesicht, da erkannte er die schö 
ne Prinzessin wieder und rief: „das ist die 
rechte Braut." Die Stiefmutter und die zwei 
stolzen Schwestern erschracken und wurden bleich, 
aber der Prinz führte Aschenputtel fort und 
hob es in den Wagen, und als sie durchs Thor 
fuhren, da riefen die Tauben: 
„Rucke di guck, rucke di guck.' 
Kein Blut im Schuck: 
Der Schuck ist nicht zu klein, 
Die rechte Braut, die führt er heim!" ' 
U. 
22 . 
Wie Kinder Schlachtens mit einan 
der gespielt haben. 
I. 
Zn einer Stadt Franecker genannt, gele- 
gen in Westfriesland, da ist es geschehen, daß 
junge Kinder, fünf- und sechsjährige, Mägdlein 
und Knaben mit einander spielten. Und sie 
ordneten ein Bübleln- an, das solle der Metz-
	        

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