Full text: Kinder- und Haus-Märchen ([1])

das thust du mir nicht nach." Der Riese glaub 
te nun es übertraf niemand auf der Welt das 
Schneiderlein an Stärke und Klugheit. 
(Das weitere fehlt,) 
Stf i/drx. fS] Ir . 
21 . 
Aschenputtel. 
Es war einmal ein reicher Mann, der leb 
te lange Zeit vergnügt mit seiner Frau, und 
sie hatten ein einziges Töchterlein zusammen. 
Da ward die Frau krank, und als sie todtkrank 
ward, rief sie ihre Tochter und sagte: „liebes 
Klnd, ich muß dich verlassen, aber wenn ich 
oben im Himmel bin, will ich auf dich herab 
sehen, pflanz ein Bäumlein auf mein Grab, 
und wenn du etwas wünschest, schüttele dar 
an, so sollst du es haben, und wenn du >onst 
in Noth bist, so will ich dir Hülfe schicken, 
nur bleib fromm und gut." Nachdem sie das 
gesagt, that sie die Augen zu und starb; das 
Kind aber weinte und pflanzte ein Baumlein 
auf das Grab und brauchte kein Wasser hin zu 
tragen, und es zu begießen, denn es war ge 
nug mir seinen Thränen. 
Der Schnee deckte ein weiß Tüchlein auf 
der Mutter Grab, und als die Sonne es wie 
der weggezogen hatte, und das Daumlein zum 
zweitenmal grün geworden war, da nahm sich 
der Mann eine andere Frau. Die Stiefmut 
ter aber hatte schon zwei Töchter, von ihrem 
ersten Mann, die waren von Angesicht schön, 
von Herzen aber stolz und hoffährtig und bös. 
Wie nun die Hochzeit gewesen, und alle drei 
in das Haus gefahren kamen, da ging schlim 
me Zeit für das arme Kind an. „Was macht 
der garstige Unnütz in den Stuben, sagte die 
Stiefmutter, fort mit ihr in die Küche, wenn 
sie Brod essen will, muß sies erst verdient ha 
ben, sie kann unsere Magd seyn^^Da nah 
men ihm die Stiefschwestern die Melder weg, 
und zogen ihm einen alten grauen Nock an: 
„der ist gut für dich!" sagten sie, lachten es 
aus und führten es in die Küche. Da mußte 
das arme Kind so schwere Arbeit thun: früh 
vor Tag aufstehen, Wasser tragen, Feuer an 
machen , kochen und waschen und die Stief 
schwestern thaten ihm noch alles gebrannte Her 
zeleid an, spotteten es, schütteten ihm Erbsen 
und Linsen in die Asche, da mußte es den gan 
zen Tag sitzen und sie wieder auslesen. Wenn 
es müd war Abends kam es in kein Bett, son 
dern mußte sich neben dem Heerd in die Asche 
legen. Und weil es da immer in Asche und 
Staub herumwühlte und schmutzig aussah, ga 
ben sie ihm den Namen Aschenputtel. 
Auf eine Zeit stellte der König einen Ball 
an, der sollte in aller Pracht drei Tage dauern,
	        

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