Full text: Kinder- und Haus-Märchen ([1])

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und klagte sie bei dem König an: er habe ge 
sehen, wie sie ihr Kind in dem Garten getödtet 
und aufgegessen. Der König ließ sie ins Ge 
fängniß werfen, der Gärtner schickte das Kind 
weit weg zu einem Förster in den Wald, der 
sollte es da groß ziehen. Der Prinz lernte die 
Jägerei; der Förster aber hatte eine schöne Toch 
ter, Namens Life, die zwei Kinder hatten ein 
ander sehr lieb, und Lift entdeckte ihm, daß er 
ein Prinz sey, und alles was er wünsche, das 
müsse eintreffen. Da kam bald darauf der Gärt 
ner zu dem Förster, wie ihn der Prinz sah, 
verwünschte er ihn gleich in einen Pudel, seine 
liebe Lift aber in eine Nelke, die steckte er vor, 
der Pudel aber mußte neben ihm her laufen: 
so ging er an seines Vaters Hof, und nahm 
als Jäger bei ihm Dienste. Er ward auch 
bald bei ihm beliebt, wie keiner von den an 
dern Jägern, weil er alles Wild schießen konn 
te, denn er brauchte nur zu wünschen, so kam 
es vor ihn hingelaufen. Für alle Dienste ver 
langte er gar keinen Lohn, bloß eine Stube 
für sich, die er immer verschlossen hielt, auch 
wollte er für sein Essen selber sorgen. Das 
kam seinen Cameraden wunderlich vor, daß der 
umsonst diene, und einer schlich ihm nach und 
guckte durchs Schlüsselloch, da sah er, wie der 
neue Jäger vor einem Tisch saß mit dem präch 
tigsten Essen besetzt, und neben ihm ein schönes 
Mäd 
Mädchen, und daß beide sehr freundlich und 
vergnügt miteinander waren. Das Essen aber 
hatte sich der Prinz nur auf den Tisch gewünscht, 
und das Mädchen war seine liebe Lift, die ver 
wandelte er allezeit in ihre natürliche Gestalt, 
und war in ihrer Gesellschaft, so oft er allein 
war, wenn er aber ausging, war es wieder eine 
Nelke, die in einem Glas mit Wasser stand. 
Die Jäger meinten, er müsse große Reichthü 
mer haben, und brachen, als er auf der Jagd 
war, in seine Stube ein, da fanden sie aber 
gar nichts, nur die Nelke vorm^Fenster. Weil 
sie so schön war, brachte^ sie tysfc zum König, 
der trug auch einen so großen Gefallen daran, 
daß er sie von dem Jäger verlangte. Der woll 
te sie aber um alles Gold nicht hingeben, weil 
es seine liebste Lift war, endlich, wie der Kö 
nig darauf bestand, entdeckte er ihm alles, und 
daß er sein Sohn wäre. Wie der König das 
hörte, freute er sich von Herzen, die Königin 
ward aus dem Gefängniß befreit, und die treue 
Lift des Prinzen Gemahlin; der gottlose Gärt 
ner mußte zur Strafe ein Pudel bleiben, und 
ward von den Knechten unter den Tisch 
st^en. M. 
8 
KittdermÄrcherr.
	        

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