Full text: Kinder- und Haus-Märchen ([1])

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und aß das auf. Bald darnach fiel noch 
ein Stückchen heraus: „das ist für mich," sag 
te der andere, und läßt sich das schmecken. Das 
war aber das Herzlein und Leberlein, was sie 
gegessen hatten, und sie wußten nicht, was für 
Glück ihnen damit beschert war. 
Darnach war der Vogel gebraten, und sie 
trugen ihn zu der Hochzeitstafel; der Gold 
schmidt schnitt ihn auf, und wollte geschwind 
Herz und Leber essen, aber da war beides fort. 
Da ward er giftig bös und schrie: „wer hat 
Herz und Leber von dem Vogel gegessen?" 
„Das werden wir gethan haben, sagten sie, es 
sind ein paar Stückchen herausgefallen beim 
Umwenden, die haben wir genommen." — 
„Habt ihr Herz und Leber gegessen, so mögt 
ihr auch eure Schwester behalten!" und jagte 
^ j 1 te in seinem Zorn alle fort. — 
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6i. 
Von dem Schneider, der bald reich 
wurde. 
Ein armer Schneider ging einmal zur Wim 
terszeit über das Feld, und wollte seinen Bru, 
der besuchen. Unterwegs fand er eine erfrorne 
Droßel, sprach zu sich selber: „was größer ist 
als eine Laus, das nimmt der Schneider mit 
nach Haus!" hob also die Droßel auf, und 
steckte sie zu sich. Wie er an seines Bruders 
Haus kam, guckte er erst zum Fenster hinein, 
ob sie auch zu Haus waren, da sah er einen 
dicken Pfaffen bei der Frau Schwägerin sitzen 
vor einem Tisch, auf dem stand ein Braten 
und eine Flasche Wein; indem klopfte es an 
die Hausthüre, und der Mann wollte herein, 
da sah er, wie die Frau den Pfaffen geschwind 
in einen Kasten schließt, den Braten in den 
Ofen stellt-, und den Wein ins Bett schob. 
Nitn-mehr ging der Schneider selbst ins Haus, 
und bewillkommte seinen Bruder und seine 
Schwägerin, setzte sich aber auf den Kasten nie 
der, darin der Pfaff steckte. Der Mann sprach: 
„Frau, ich bin hungrig, hast du nichts zu es 
sen?" — „Nein, es thut mir leid f es ist aber 
heute gar nichte im Haus." — Der Schnei 
der aber zog seine erfrorene Droßel heraus, da 
sprach sein Bruder: „mein, was thuest du mit 
der gefrorenen Droßel?" — „Ei! die ist viel 
Geld werth, die kann wahr sagen!" — „Nun 
so laß sie einmal wahrsagen." — Der Schnei 
der hielt sie ans Ohr und sprach:-„die Droßel 
sagt: es stünde eine Schussel voll Braten im 
Ofen." — Der Mann ging hin und fand den 
Braten: „was sagt die Droßel weiter?" — 
„Zm Bett stecke eine Flasche Wein." Der 
fand auch den Wein: „ei, die Droßel mögt ich
	        

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