Full text: Kinder- und Haus-Märchen ([1])

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wenn der Tod beim Kopf steht, steht er aber 
bei den Füßen t so muß der Kranke sterben." 
Nun wurde des Königs Kind krank, und der 
Tod-stand beim Kopf, da eurirte ers mit dem 
Wasser, und das zweitemal, als es krank wur 
de, da machte ers wieder gesund, weil der Tod 
wieder beim Kopf stand, das dritte mal aber 
stand er bei den Füßen, da mußte es sterben. 
Da ging der Mann zu seinem Gevatter 
und wollte es ihm alles erzählen, und als er 
im Haus auf die erste Treppe kam, so standen 
da die Schippe und der Besen, und schmissen 
sich. Da fragte er sie, wo der Gevatter woh 
ne; der Besen sagte: eine Treppe höher." 
Wie er auf die zweite Treppe kam, sah er eine 
Menge todter Finger liegen. Da fragte er wie 
der, wo der Gevatter wohne? „eine Treppe hö 
her." Auf der dritten Treppe lag ein Haufen 
todter Köpfe die sagten wieder: „eine Treppe 
höher." Auf der vierten sah er Fische über 
dem Feuer stehen/ die britzelten im Kochen und 
backten sich selber. Sie sagten auch.- „eine 
Treppe höher." Wie er auf die fünfte kam 
da war eine Stube, da guckte er durch das 
Schlüsselloch, und sah den Gevatter, der 
ein paar lange, lange Hörner auf hatte, und 
als er hineinging, legte er sie geschwind 
aufs Bett und deckte sie zu. Da sprach der 
Mann: „Herr Gevatter, wie ich auf eure erste 
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Treppe kam, da sah ich eine Schippe und ei 
nen Besen stehen, die sich schmissen" — „wie 
seid ihr so einfältig, antwortete der Gevatter, 
das waren der Knecht und die Magd, die spra 
chen zusammen." — „Auf der zweiten Treppe 
sah ich todte Finger liegen." — „Ci, wie seid 
ihr dumm, das waren Skorzenerwurzel." — 
„Auf der dritten lag ein Haufen Todtenköpfe." 
— „Dummer Mann, das waren Krautköpfe." 
— „Auf der vierten jah ich Fische im Koch 
topf, die britzelten und kochten sich selber. Wie 
er das Wort sprach, kamen die Fische und tru 
gen sich selber auf" — „und auf der fünften 
guckte ich durchs Schlüsselloch, da sah ich, daß 
ihr lange, lange Hörner hattet" — "Ei, das 
ist nicht wahr." 
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Die wunderliche Gasterei. 
Auf eine Zeit lebre eine Blutwurst und ei 
ne Leberwurst zusammen, und die Blutwurst 
bat die Leberwurst zu Gast. Wie es Essenszeit 
war, ging die LeberwurstMnz vergnügt zu der 
Blutwurst, als sie aber in die Hausthüre trat, 
sah sie allerlei wunderliche Dinge, auf jeder 
Stiege der Treppe, deren viele waren, immer 
etwas anderes, da war ein Besen und eine 
Schippe, die sich miteinander schlugen, dann ein 
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