Full text: Brief von Louis Spohr an Adolf Friedrich Hesse

und waren so natürlich, daß ich mir nie bessere 
wünsche. Überhaupt wissen diese Sänger, großten-
theils Kirchensänger der Westminsterabtey, und
durch Händelsche Musik gebildet, der Oratorienmu-
sik einen ganz andern(?) Geist einzuhauchen
und ich schäme mich nicht es zu gestehen, daß
mir, wie dem größten Theil des Publikums, im
2ten Theil meines Oratoriums mehre Male die
Thränen in die Augen traten bey dem Seelen-
vollen und technisch so vollendeten Vortra-
ge dieser Sätze. Eben so vollendet, kräftig
und mit den zartesten Nuancen von Stärke
und Schwäche, waren auch die Chöre und da-
mit ich gleich alles lobe, was zu loben war,
auch die Saiteninstrumente des Orchesters, be-
sonders die Celli, die ich noch bey keinem
Musikfest so warm und kräftig gehört habe.
Die Blasinstrumente, mit Ausnahme der Trom-
peten, waren aber nicht so gut, wie wir
sie gewöhnlich bey unsern großen Musikauf-
führungen haben. Da trat aber in den Chören
die Orgel helfend ein und ich kann es nicht
genug loben, wie umsichtig und wirkungsvoll
der Organist sein mächtiges Instrument
zu benutzen wußte. Es war der Organist der
Westminsterabtey, der das Oratorium fast
auswendig wußte, weil er es dem Chor aus Lon-
don einstudirt und den dortigen Solosängern
oft begleitet hatte. Er kannte die meisten Ihrer

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