Full text: Gedichte

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K i n d. 
Sieh, ein zerschlag'ner Arm ist noch zu schauen, 
Von Stein, zwei große Schlüssel in der Hand. 
Wer that das, Vater? Immer sagtest du, 
Altäre seien heilig, und in Ruh' 
Soll man die Gräber und Altäre lassen. 
Du lehrtest mich tief in der Seele grauen, 
Als du erzähltest, wie das Römervolk 
Die christlichen Altäre einst zerschlagen, 
An denen fromme Menschen betend lagen. 
O sicher stürzten dieses Heiligthum 
Die Katholiken oder Römer um. 
Vater. 
Wir selber, Kind, die Protestanten thaten's, 
Und der Altar war ein katholischer. 
Kind. 
Wie Schade! da erblick' ich unter Trümmern 
Ein schönes Antlitz, fein aus Holz geschnitzt. 
Wie lieblich seine sanften Züge schimmern! 
Auch Brust und Arm. und auf dem Arme sitzt 
Ein kleines Kind, dem sie die Hand zerschlagen. 
Was ist das für ein Bild, es gleicht der Mutter? 
Vater. 
Das ist das Bildniß Uns'rer Lieben Frauen. 
Nun komm! daß wir den Küster nicht verdrießen.
	        

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