Full text: Der Basilisk

„Wenn Ihr mir Euer Wissen vertraut — es soll Euer 
Schaden nicht sein!" 
Sie aber hatte Erfahrung genug, um den blauen Augen 
des Jünglings abzusehen, daß sie nicht lügen konnten. 
Warum sollte sie auch nicht so einem Bürschchen, das den 
Staub der Stadt gewißlich bald von den wanderlustigen 
Füßen schütteln würde, ein halbes Märlein als willkomme 
nen und rasch verdauten und vergessenen Nachtisch vorsetzen? 
„Weil Ihr mir gefallt", fing sie an, „und Eure Mutter 
Euch, wie ich merke, ein reines Herz eingepflanzt hat, will 
ich Euch erzählen, was meine Zunge sonst behütet hätte. 
Denn es tut nicht gut, über den Herrn Nachbarn herzu 
ziehen, zumal wenn er . . ." 
„Mit dem Teufel im Bunde steht, meint Ihr", unter 
brach Konrad ihre Vorrede, die seiner Ungeduld schon zu 
langatmig erschien. 
„Ja, wenn Ihr schon alles wißt, junger Herr, brauche 
ich Euch doch nichts mehr vorzumachen", erwiderte sie be 
leidigt, und lehnte sich, die Arme verschränkend, zurück. 
„Entschuldigt", bat Konrad, „es fuhr mir so heraus. 
Ich bin etwas hitzig, und die Sache hat mir schon genug 
Beschwer gemacht." 
„So, hat sie das?" meinte die Alte befriedigt. „Hat 
Euch auch das ewige stumme Alleinsein gepeinigt und um 
den Schlaf gebracht?" Lauernd beugte sie sich vor: „Habt 
Ihr auch — IHN gesehen?" 
Konrad wich zurück. 
„Wen meint Ihr?" 
„Nun", — und sie stieß ihn vertraulich an, „Ihr kennt 
ihn doch, den mit dem Blick, der die Kraft lähmt, der auf 
acht Füßen geht — he? — rnd statt des Mauls einen 
Schnabel hat und hintenzu eine Schlange wird?" 
Konrad war es, als würde er von einem wilden Wir 
bel ergriffen, wie nach allzu heftigem Genuß schweren Weins. 
„Ja", stotterte er, „ich glaube, ich habe — ihn gesehen. 
Aber ich weiß nicht mehr, wann das war, und — wo sich's 
zutrug." Er schüttelte den Kopf. „Nein, ich weiß es nicht 
mehr." 
Die Alte hatte mit offenem Munde zugehört. Sie 
kicherte und schlug die Hände in die Seiten wie ein schaden 
frohes Gespenst, das einen guten Spaß erwartete. 
Recht unheimlich wurde dem jungen Menschen in der 
Tat zumute, da er nun, sich still verhaltend, eifrig flüstern 
des Geraune um das Haus, in dem er ein paar Tage ge 
lebt hatte, und um die Menschen, mkt denen er darin zu 
sammen gewesen war, über sich ergehen ließ. Denn es stand
	        

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