Full text: Manuscripta theologica : Die Handschriften in Folio

Geschichte 
Bei der Katalogisierung der Fragmente wurde ein möglichst knapper Katalogi- 
sierungstext angestrebt. Kriterium für die Ausführlichkeit der Beschreibung war 
der Wert des Fragmentes. Die Beschreibung sollte es zudem ermöglichen, später 
leichter membra disjecta - etwa aus dem StA Marburg - zusammenführen zu 
können. Die Mindestangaben in der Beschreibung des Äußeren einer Handschrift 
sind, soweit überhaupt feststellbar: Beschreibstoff, Blattzahl, Schriftraum, Spal- 
ten, Zeilen, Schriftart mit Datierung, Neumen / Notation und Handschriftenge- 
schichte. Bei Fragmenten des 8.-10.Jhs., bei dt. Mundart und bei zahlreichen 
Blättern (es sind bis zu 41 Blätter von einer Handschrift erhalten) pro ursprüng- 
licher Handschrift wurde die Beschreibung geringfügig ausführlicher gehalten, z. 
B. um die Angabe der Blattgröße ergänzt. Auf die Angabe der Blattgröße - im 
Gegensatz zum Schriftraum - wurde ansonsten verzichtet, da das, was beim Zer- 
schneiden eines Blattes vom ursprünglichen Format erhalten blieb, rein zufällig 
und deshalb zur Zusammenführung von membra disjecta nicht dienlich ist. Der 
Buchschmuck wurde im allgemeinen nur bei Fragmenten des 8.-12. Jhs. vermerkt. 
Bei späteren Fragmenten wurde nur das Vorhandensein von Zierinitialen erwähnt. 
Während der Katalogisierung der Fragmente wurde ein sachlich geordnetes Re- 
gister angelegt, um eine irrtümliche Beschreibung von membra disjecta einer 
Handschrift unter verschiedenen Signaturen zu Vermeiden. Die Beschreibungen 
wurden zu diesem Zweck in der folgenden Reihenfolge sortiert: Verfasser: Sach- 
titel bzw. nur Sachtitel bei Sachtitelschriften, Größe des Schriftraums, Anzahl 
der Spalten, Anzahl der Zeilen, Alter der Schrift. 
Bei der Katalogisierung der Fragmente verlor sich nie das Erstaunen darübegwie 
es zu einem solchen kulturellen Holocaust kommen konnte. Es ist keine Regel- 
mäßigkeit in dem Zerstörungswerk zu erkennen. Lediglich der Umstand, daß von 
allen Fuldaer Papierhandschriften nur e i n e , nämlich 2S Ms. theol. 62, erhalten 
blieb, könnte darauf hindeuten, daß man solchen Handschriften noch nicht ein- 
mal einen Materialwert zuerkannte. Nicht das ehrwürdige Alter der Handschrift 
(StA Marburg Hr 1, 1: Unziale des 5.Jhs., Anfang) noch die Schönheit des Buch- 
schmucks schützten vor Makulierung. Die kalligraphische Bibelhandschrift 2S Ms. 
theol. 299 mit der 27zeiligen Zierinitiale mit Rankenwerk, Gold, Silber, Purpur, 
Blau, Grün und Rot von der Hand Otlohs von St. Emmeram wurde ebenso ma- 
kuliert wie das kalligraphische, vielleicht einst einem Kardinal oder Papst gehö- 
rende, mit Goldtinte geschriebene Missale festivum 2S Ms. theol. 305. Selbst die 
Schriften derjenigen Kirchenväter wie Augustinus, die von Reformatoren verwen- 
det wurden, gingen unter. So scheint es) als ob Luthers Charakterisierung der 
alten Kirche als einer Einrichtung des Satans in grenzenloser Verachtung des 
religiösen Gegners die pauschale Ausmerzung der Zeugnisse katholischen Den- 
kens Veranlaßt hatte. Für Luther war der Buchbestand der Kloster- und Stiftsbi- 
bliotheken nur „esels mist vom Teuffel eyngefurtSl. „... die Teuffels larven, die 
für dieses und die folgenden Zitate vgl. Luther, M.: Werke. 15. Weimar 1899, S. 50-51 
XXXII
	        

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