Full text: Manuscripta theologica : Die Handschriften in Folio

Geschichte 
die erwähnte, allgemeinere Nachricht der Jesuiten beziehen. Der Abtransport der 
Bibliothek des Jesuitenkollegs ist in den Jahresberichten der Jesuiten unter der 
Überschrift Supplementum historiae . .. ab octobri anni 1632... aufgeführt. Da aber 
hierunter auch der Bericht über das Wirken der Calvinisten im Kolleg nach der 
Vertreibung der Jesuiten zu finden ist, welches mit dem Februar 1632 einsetzte, 
ist für den Abtransport der Jesuitenbibliothek der Tag der Plünderung des Kollegs 
(6. März) anzunehmen. Es ist nicht belegt, in welchem Gebäude sich die Bene- 
diktinerbibliothek befand, als die hessischen Truppen Fulda besetzten. Es ist aber 
sehr unwahrscheinlich, daß sie sich noch an ihrem alten Platz im Bereich der 
Klosterkirche befandl. 1627 bestimmte der Nuntius Carafa, „ut libri iidem in 
locum magis aptum eorum conservationi exportentur. Nam in illa aedium parte, 
in qua jam sunt, periculum est, ne humiditate pereant et ne situ paulatim conta- 
bescantäz. Carafa setzte die Entfernung von Büchern aus der Bibliothek unter 
Strafe. Wie auch sonst wird der Fürstabt den Dekreten Carafas Folge geleistet 
haben. Da die alte Klosterkirche damit ausscheidet, eine Unterbringung im Je- 
suitenkolleg die Aufsicht durch den Fürstabt nicht ermöglicht hätte, liegt die 
Vermutung nahe, daß die Bibliothek in dem kurz vorher (1607-12) erbauten 
Schloß der Fürstäbte untergebracht wurde. Dies paßt genau zu der Angabe von 
Hartung. Wäre die Benediktinerbibliothek zusammen mit der Jesuitenbibliothek 
aus dem Kolleg entfernt worden, dann hätten die Jesuiten den Wert der ihnen 
geraubten Bücher nicht nur auf 6000 Kronen3 geschätzt. Der Abtransport einer 
weiteren Bibliothek ist außerdem nicht belegt. In den letzten Jahren ist eine große 
Zahl von Fuldaer Handschriften als Fragmente in der Kasseler Handschriften- 
sammlung und in hessischen Archiven vor allem durch die Forschungen von 
Bernhard Bischoff nachgewiesen worden. Gelegentlich gelang auch der Nachweis 
von fragmentarischen, spätmittelalterlichen Fuldaer Liturgica durch entsprechen- 
de Eigenfeste (Einband von 2o Mus. 27 a + b). Die Zahl der schon jetzt nachge- 
wiesenen Stücke legt - wie auch schon die Aussage der Quellen - den Schluß 
nahe, daß 1632 tatsächlich die vollständige Benediktinerbibliothek nach Kassel 
gebracht und bis auf die wenigen erhaltenen Handschriften und bis auf wenige 
Geschenke (Vgl. 20 Ms. theol. 49) bis 16614 vollständig makuliert wurde. 
Ebenfalls Beute aus der Zeit des 30jährigen Krieges sind wohl die Handschriften 
80 Ms. theol. 12, 43 Ms. theol. 8, 27 und 28 (sowie 43 Ms. philol. 5), die aus dem 
Zisterzienserkloster in Hardehausen stammen. 40 Ms. theol. 29 aus dem Benedik- 
J. Leinweber: Beiträge zur Geschichte d. Bibliothek d. Klosters Fulda im Mittelalter; hier: 2.: 
W0 befand sich im Mittelalter d. Bibliothek d. Klosters Fulda; in: Mittelalterl. Bücherverzeichnisse 
d. Klosters Fulda u. a. Beitr. zur Geschichte d. Bibliothek d. Klosters Fulda im Mittelalter, hrsg. 
von G. Schrimpf  Frankfurt am Main 1992, S. 178-180 
Statuta maioris ecclesiae Fuldensis. Hrsg. von G. Richter. Fulda 1904, S. 29 
Collegii Fuldensis exordia ..., S. 361 
Hopf, S. 14 
XXII
	        

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