Full text: Manuscripta medica

Einleitung 
den Kreis jener )Arzneibücher( gestellt, die im Mittelpunkt der medizinischen Fach- 
prosaforschung stehen: etwa zum Wolfenbütteler, Utrechter, Bremer, Gothaer oder 
Stockholmer. 
Der sogenannten ) jüngeren Palatinag der Pfälzer Erbschaft von 1686 also, läßt sich 
mit Sicherheit nur das ursprünglich drei-, jetzt nur noch zweibändige 48 Ms. med. 7 
zuordnen. Über diesen Vorgang, der der Kasseler Bibliothek kostbaren Zugewinn, der 
Heidelberger entsprechend schmerzlichen Verlust brachte, muß hier nicht noch ein- 
mal berichtet werden. Es ist sehr bedauerlich, daß der erste Band dieser Handschrift 
verlorengegangen ist. Er enthielt neben anderen wertvollen Texten, wie das Register 
im dritten Band ausweist, einen Brief der Lieselotte von der Pfalz in Abschrift. Die 
noch vorhandenen beiden Bände geben auch einen Eindruck von den hervorragenden 
Kenntnissen des Heidelberger Professors Christian Winkler (17.Jh.), dessen Leben 
durch Intrigen grausam zerstört wurde. 
43 Ms. med. 6, eine Vorlesungsnachschrift des Marburger, später Heidelberger Profes- 
sors Daniel Nebel (1664-1733) ist erst nach der Zeit der )Pfälzer Erbschafu entstan- 
den, also sicher direkt von Marburg nach Kassel gelangt. Für das Dornröschendasein 
des Kasseler medizinischen Handschriften-Bestandes ist es übrigens charakteristisch, 
daß die 1971 erschienene Marburger Dissertation von Dieter Hof, die eine weithin 
identische Nachschrift dieser Vorlesung Nebels, heute in der UB Marburg verwahrt, 
zum Gegenstand hat, von dem Kasseler Parallelstück keine Notiz nimmt, obwohl sie 
bei Strieder erwähnt wird. Man kommt einfach nicht auf den Gedanken, daß Kassel 
auch etwas bieten könnte. 
80 Ms.med. 4, eine bibliophil eingebundene kleine Sammlung der üblichen Haus- und 
Küchenrezepte, apart abgerundet durch kindliche Zahlenspiele, mittels deren man 
einen Blick in die Zukunft tun wollte, stammt aus dem Nachlaß des Geheimen Kriegs- 
rates Philipp Senning (1689-1758). Angelegt war die Handschrift für den eben vier- 
zehnjährigen Freiherrn Johann Caspar von Dörnberg (1689-1734), der neben verschie- 
denen hohen politischen Ämtern nach 1728 auch das eines Regierungspräsidenten in 
Kassel bekleidete. Gegen Ende seines Lebens hielt sich Johann Caspar von Dörnberg 
in Schweden auf, zusammen mit einem Teil des hessischen Hofstaates, der dem 1720 
zum schwedischen König gewählten Landgrafen Friedrich I. nach Stockholm gefolgt 
war. Nach dem Tode des Königs (1751) mag dann dieses Bändchen ebenso wie 43 Ms. 
med. 5 nach Kassel zurückgekehrt sein, mit dem Unterschied, daß dieses gleich der 
fürstlichen Bibliothek einverleibt wurde, die ehemals Dörnbergsche Handschrift aber 
in den Besitz Philipp Sennings gelangte. Möglich ist auch, daß Senning die Handschrift 
aus der ihm hinterlassenen Bibliothek seines 1755 verstorbenen Dienstherrn und 
Freundes, des Prinzen Georg - eines Bruders des Schwedenkönigs - erhalten hatte. 
Jedenfalls ging die Senningsche Bibliothek mit 1340 Bänden nach dem Tode des Kriegs- 
rates 1758 an die fürstliche Büchersammlung. Am wahrscheinlichsten ist jedoch, daß 
Senning die Handschrift von Johann Caspar von Dörnberg direkt, das heißt also Jahre 
früher erhielt; sein Besitzeintrag in 43 Ms.theol. 73, dort noch um die Jahreszahl 1746 
erweitert, zeigt exakt die gleichen Schriftzüge. 
XV
	        

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