Full text: Manuscripta medica

Einleitung 
pretiert wurde der Katalog vom früheren Direktor der Bibliothek, Ludwig Denecke 
(F ritzlar im Mittelalter. Festschrift zur 1250-Jahrfeier. Hrsg. vom Magistrat der Stadt 
Fritzlar. Fritzlar 1974-. S.222-24-1). Es war )einer jener guten Zufälleg daß Denecke 
das Katalogmanuskript in die Hand bekam. Der Katalogtext gibt zunächst so gut wie 
nichts her, wird man doch durchweg mit so lapidaren Angaben wie Tractatus medicus 
in pergameno konfrontiert, Angaben, die nun wirklich nicht zur Identifizierung einer 
Handschrift ausreichen. Doch zum einen sind bei manchen Handschriften noch Signa- 
turenschildchen mit Nummern erhalten, die denen des Katalogs entsprechen, wenn 
auch nicht ohne gelegentliche Fehler; zum anderen, und das ist das Entscheidende, 
erkannte Denecke, daß die Handschriften von Speckmann, ganz dem Brauch der Zeit 
entsprechend, einfach der Größe nach geordnet worden waren. Innerhalb einer bestimm- 
ten Buchrückenhöhe hatte der würdige Fritzlarer Kapitular dann nichts dagegen, daß 
Zusammengehöriges auch zusammenblieb. Nun war es in den meisten Fällen relativ 
einfach, eine Konkordanz aufzustellen. Ferner wies Denecke nach, daß das bei manchen 
Handschriften im Katalog eingetragene valde vermiculatus - remotus o. ä. - Speckmanns 
Nachfolger Karl Heinrich von Vogelius (1742-1787) ist dafür wohl verantwortlich - 
Folgen für den Kasseler Bandkatalog hatte. Die libri remoti, meist stark wurmstichig 
oder ohne Einband, wurden erst später, z.T. nach über hundert Jahren mit einer Signa- 
tur versehen. Daher die Lücke nach 4-2 Ms.med. 19 und das vereinzelt stehende 82 Ms. 
med. 10. 
Wie über so vielen Kasseler Handschriften seit Jahrzehnten, Jahrhunderten gar ein 
Mantel des Schweigens liegt, so sind auch von mancher bedeutenden Persönlichkeit, 
die mit Kassel und seiner Bibliothek eng verbunden war, oft wenig mehr als Name und 
Lebenszeit bekannt. Es ist hier von DLJacobus Mosanus die Rede, dem 1616 gestorbe- 
nen Leibarzt Moritzi des Gelehrten. Rommel erwähnt ihn mehrmals, bringt sogar 
knappe Zitate aus Briefen und Aufzeichnungen Mosanusl, erwähnt wenig mehr, als 
daß er aus Weeze im Herzogtum Kleve stammt, des Italienischen und Englischen 
mächtig und ein erfahrener Chemiker und Arzt war. Wir lesen, daß er in Kassel heira- 
tete; es ist bekannt, daß er in Wilhelmshöhe ein Haus besaß, daß der Landgraf einem 
seiner Tanzsätze Mosanusi Namen voranstellte. Viel ist das nicht. Nun, bei der Inven- 
tarisierung und Katalogisierung der Handschriften stellt sich heraus, daß dieser Arzt, 
dessen alchemistische Interessen und Kenntnisse sich mit denen seines Landesherrn und 
Patienten trafen, ein ungewöhnlich belesener Mann war, der abwechselnd in fünf Spra- 
chen schrieb, ein bemerkenswertes Talent zur Definition, zur Darstellung schwieriger 
Zusammenhänge besaß, der auch in der Beschreibung alchemistischer Prozesse immer 
frei von Spekulation, Heuchelei, Habgier und Servilität war. Und das in einer Zeit, in 
der Scharlatane wie Blutegel an jedem nur einigermaßen geneigten Geldgeber saßen 
und allenthalben ihre alchemistischen Süppchen koehten. Mosanusl zahlreiche erhaltene 
Briefe zeigen ihn als besonnenen, souveränen Wissenschaftler, besorgten Arzt und 
sympathischen Freund des großen Landgrafen. Das war bisher bekannt; so gut wie 
unbekannt war aber, daß Mosanus ein wenigstens im Rahmen seiner Lebensumstände 
und im Vergleich zu anderen hochbedeutender und äußerst fruchtbarer Autor medizi- 
XIII
	        

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