Full text: Manuscripta medica

Einleitung 
Der vorliegende Katalog verfährt etwas anders: Da die Zusammensetzung und damit 
das erste Ingrediens eines Rezeptes oft von Text zu Text verschieden ist, wird eine 
Ordnung nach der Indikation oder auch der charakteristischen Konsistenz vorgezogen. 
Ein solches Register wichtiger landessprachlicher Rezeptinitien muß seine Ergänzung 
in entsprechenden lateinischen finden, weil beide Formen in der Überlieferung nicht zu 
trennen sind. 
Noch ein Wort zum Register der Namen, Orte und Sachen. Zumal die neueren Hand- 
schriften haben ein außerordentlich reiches Namenmaterial. Diese Namen in den Be- 
schreibungen selbst aufzuführen, wäre zwar für den Benutzer bequemer gewesen, ver- 
bot sich aber aus Platzgründen. So wird er sich der Mühe nicht entziehen können, das 
Register, in das die Namen verbannt sind, zusätzlich zu befragen, wenn er das Material 
einer Handschrift beisammen haben will. Meist wird aber doch gezielt gesucht werden 
müssen, und da genügt das Register. 
Der Kasseler medizinische Handschriftenbestand ist recht bunt zusammengewürfelt. 
Die kleinere Hälfte stammt aus dem Mittelalter. Das ist keine Wertung: eine Hand- 
schrift wie 4o Ms. med. 3, im 18.J h. geschrieben, mit mehreren hundert medizinischen, 
mantischen und Hausrezepten ist für die Forschung nicht unwichtiger als das aus dem 
14.Jh. stammende 28 Ms. med. 3, der Avicenna-Canon. 
Es ist auffällig, daß die Kasseler Bibliothek vor 1800 fast keine mittelalterlichen medi- 
zinischen Handschriften besaß. Ähnlich wie in der Gruppe der Manuscripta iuridica 
stammt die überwiegende Zahl der medizinischen Handschriften aus dem Kollegiatstift 
St. Peter in Fritzlar. Diese vierzehn Handschriften stellen auch den größten Block inner- 
halb dieses Bestandes dar; sie gehören zu jenen rund 200 Manuskripten, die bei der 
Säkularisierung des Stiftes 1804 nach Kassel kamen. Nur zum Teil sind sie mit jenen 
ausdrucksvollen Fritzlarer Exlibris aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts gekenn- 
zeichnet, die Petersschlüssel und Tiara zeigen. Auch im medizinischen Bestand weisen 
ausschließlich Fritzlarer Bände Kettenspuren auf; ein weiteres Indiz also für die Be- 
stimmung F ritzlarer Provenienz, wo Exlibris fehlen. Nicht alle freilich sind so gekenn- 
zeichnet: 4o Ms. med. 19 entstand erst nach der Zeit, in der Katenisierung in F ritzlar 
üblich war, 4o Ms. med. 18 ist nur ein einbandloser Faszikel, 8o Ms. med. 10 erst im spä- 
teren 15.] h. im Stift zusammengesetzt. Ferner sind braun angestrichene Buchrücken 
für Fritzlar charakteristisch. Betrachten wir nun die Signaturen der Fritzlarer Hand- 
Schriften, fällt sofort die Blockbildung auf: ZO Ms.med. 3 bis 8, 4o Ms.med. 15 bis 19 
und 21. Daß 4o Ms.med. 20 ausgelassen ist und 8o Ms.med. 10 vereinzelt steht, hat be- 
sondere, weiter unten dargelegte Gründe. Der Schreiber des Kasseler Bandkataloges 
trug den größten Teil der Handschriften nach der Übernahme also blockweise ein. 
Die nachträgliche Bestätigung der Zuweisung aller vierzehn Manuskripte nach F ritzlar 
ist dem Auffinden eines handschriftlichen Kataloges der Fritzlarer Stiftshandschriften 
aus dem Jahre 1774 zu verdanken. Der Kapitular und Scholaster Johann Philipp von 
Speckmann (1713-1776) hatte dieses auf Pergament geschriebene Verzeichnis verfaßt, 
das 1968 im Handschriftenmagazin der Murhardschen und Landesbibliothek entdeckt 
wurde, freilich noch keine Signatur trägt. Eingehend behandelt und überzeugend inter- 
XII
	        

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