Full text: Geschichte der St. Blasii-Kirche zu Münden

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Anderen Tages, Sonntags den 12., wurde Morgens um 4 Uhr vom Kirch- 
tburme zweimal auf beiden Seiten mit Trompeten geblasen und dazu die Pauken 
geschlagen. Von 5 bis 6 Uhr wurden alle Glocken dreimal zur Frühpredigt geläutet. 
Nach der Predigt wurde das zu diesem Feste besonders vorgeschriebene Dank- 
gebet wegen des Religionsfriedens vorgelesen. 
Von 7 bis 8 Uhr wieder drei Mal mit allen Glocken geläutet und um 87a 
Uhr begann der Vormittags-Gottesdienst. Eine Kirchen-Musik mit Pauken, Trom 
peten und Violinen wurde aufgeführt. 
Dann wurde wieder das vorgeschriebene Dankgebet vorgelesen und das Te 
Deum gesungen, nach welchem das heilige Abendmahl stattfand. 
Von 12 bis 1 Uhr Mittags ist wieder drei Mal mit allen Glocken geläutet 
worden, und der um 1 Uhr angefangene Nachmittags-Gottesdienst begann mit dem 
Liede: „Nun lob mein See? den Herren" re. worauf wieder eine Kirchenmusik mit 
Hoboes und Violinen aufgeführt wurde. Zum Schluß wurde das Lied: „Nun 
danket alle Gott" mit Trompeten, Pauken und Posaunenschall abgesungen. 
Die Einführung der öffentlichen Beichte in der St. Blasn-Kirche geschah im 
Jahr 1789. 
Bei der Vacanz des Primariats an derselben machte es die Krankheit des bis 
herigen Caplans nothwendig, daß der an der Aegidikirche stehende Herr Pastor Dürr 
die Amtsverrichtungen in St. Blasn mit übernehmen mußte. 
Um zu diesen gehäuften Geschäften Zeit zu gewinnen , kündigte er öffentliche 
Beichte an, die bei seiner Gemeinde schon seit längere Zeit eingeführt war. 
Von dieser Zeit an hat die öffentliche Beichte in der St. Blasii-Kirche bestanden. 
Durch die uns so schnell überraschende hohe Wasserflnth vom 23. Februar 
1799 hatte das Innere der St. Blafii-Kirche sehr gelitten. Fast alle die vielen darin 
vermauerten und gewölbten Grabstellen waren eingestürzt, versunken und das Gestühle 
gänzlich zerbrochen und ruinirt. Bis den 9. März war man damit beschäftigt, das 
Wasser aus der Kirche zu schöpfen und zu Ende des Monats konnte man erst wieder 
Gottesdienst darin halten, welcher seither auf dem Rathhause stattgefunden hatte. 
Die Ausgabe für gelieferte Bohlen und Dielen, so wie für Arbeiten der Tischler, 
Maurer, Nagelschmiede, Schlosser und Weißbinder betrug 616 *$> 5 Mg. 5 A Auch 
das der Kirche zugehörige Fährhaus an der Oberfähre war gänzlich ruinirt und 
mußte ein neues gebaut werden, welches auf 723 21 Mg. 7 zu stehen kam. 
In der westphälischen Zeit wurden aus höheren Befehl öfters Siegesfeste der 
napoleonischen Armee auch kirchlich gefeiert; aber wen sah man in der Kirche? — 
Weiter Keinen als den Friedensrichter, den öffentlichen und geheimen Polizei-Commisfair, 
den Cantons-Maire nebst einigen Unterbedienten und die Gensd'armen. 
Desto freudiger drängte sich aber Alles, Jung und Alt, Vornehme und Geringe 
unaufgefordert ins Gotteshaus, unl den Herrn der Heerscharen zu preisen mit Dank 
und Gebet, als am Charfreitag Abend 1814 die Nachricht von der Einnahme von 
Paris ankam. Der Pastor Primarius Wichen trat unaufgefordert an den Altar 
und sprach Worte der Freude und des Dankes, die aus dem Herzen kamen. 
sonntags den 24. Juli 1814 wurde das große Friedensfest gefeiert. Schon 
Abends vorher wurde dasselbe mit allen Glocken eingeläutet. Die Gilden und Cor- 
porationcn, welche sich schon Morgens 8 Uhr auf dem Rathhause versammelt hatten, 
zogen um 87, Uhr mit dem Magistrat, mit den sämmtlichen Schulkindern in Be 
gleitung ihrer Lehrer unter Absingung eines Gesanges lind dem Geläute aller Glocken
	        

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