Full text: Geschichte der St. Blasii-Kirche zu Münden

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Unterm 1. October 1732 meldet derselbe, daß sie in der Erkenntniß so weit 
gekommen, um die heilige Taufe empfangen zu können. 
Zn Gegenwart des Superintendenten, der beiden Bürgermeister und der Sena 
toren, nahm nun der Candidat der Theologie, Herr Balthasar Christ, das Examen 
mit ihr vor, und die anwesenden Herren waren durch ihr Erkenntniß in der christ 
lichen Lehre einhellig der Meinung, daß sie jetzt wohl getauft werden könne. 
Den 26 October 1732 Nachmittags bei volkreicher Versammlung wurde nun 
diese Taufhandlung in unserer St. Blasn-Kirche vollzogen. 
Sie bekam den Namen: 
«Christiane Henriette Münden." 
Die Gevattern waren: 
1. Die Stadt Braunschweig. 2. Die Frau Drostin von Hanstein hier- 
selbst. 3. Die Frau von Berlepsch. 4. Die Frau Ober-Amtmännin Ebeling. 
5. Die Frau Amtmännin Ludwig zu Hilwartshausen. 6. Die Frau Amtmännin 
Hüpeden zu Jühnde. 
Bei dieser Gelegenheit kann Schreiber dieses nicht umhin zu bemerken, wie 
in dieser Zeit ein an hiesiger höherer Bürgerschule angestellter Lehrer, der Cantor 
Bellermann, ein nicht unberühmter Liederdichter und Componist, auch nachheriger 
jahrelanger Rector Hierselbst, sich beinahe bis zum Bettler erniedrigte, welches wir 
jetzt, wenn es nicht actenmäßig festgestellt wäre, nimmermehr glauben würden. 
Unterm 14. November 1732 heißt es: 
«Oonstantinus Bellermann Cantor hujus Scholae ließ einen Receß überreichen, 
worin derselbe E. E. Rath vorstellete, wie er Ihnen zu Ehren bei einem Taufacte 
des Mädchens aus dem Judenthum Christiane Henriette Münden genannt, 
ein Carmen componirt und solches drucken, auch distribuircn lassen, dessen Uebcrschrift: 
«Der Finger Gottes bei den zeithero bekehrten vieltauscnd Seelen, insonderheit 
einer gläubig gewordenen Jüdin u. s. w." 
Als er nun dieserwegen einige Mühe gehabt, auch etwas angewandt, daß be 
sagtes Carmen gedruckt worden ; so lebe er der Hoffnung, es würde E. E. Rath 
ihm dieserhalb ein Douceur widerfahren lassen oder mit einem beliebigen Honorario 
versehen." 
Wurde hiervon geredet, und weil obgedachtcr Cantor Bellermann etwas 
angewandt und sein „componirtes Carmen drucken lassen " 
Hier finden wir das Protokoll abgebrochen und nicht dabei bemerkt, ob der 
Herr Cantor Bellermann auf sein inständiges Bitten vielleicht etwas Geld ans 
einer Wohlthätigkeitskasse, oder gratis einige Kannen Wein ans dem Rathskeller oder 
1 Klafter Holz aus unserer Stadtwaldung, oder sonst etwas auf gnädige Verfügung 
E. E. Raths erhalten habe. 
Für die Christiane Henriette Münden fand sich 1733 auch ein Freier, ein 
junger Knopsmacher Namens Johannes Matfcld, mit welchem sie Ende Mai 1733 
kirchlich getraut wurde. Sie soll eine gute anständige und sparsame Hausfrau ge 
worden sein, die ihren Ehemann mit Liebe und Nachsicht, aber auch mit Ernst 
geleitet habe. 
Nachdem Se. Königliche Majestät von Großbrittanien Georg der Zweite aller 
gnädigst verordnet, daß in den hannoverschen Landen den 20. Sonntag nach Trini 
tatis eine evangelische Jubelfeier zum dankbaren Angedenken der durch Gottes Gnade 
dcr evangelisch-lutherischen Kirche zum Besten in Passau errichteten und nochmals 
am 26. L>ept. 1555 zu Augsburg geschlossenen Religions-Friedens gefeiert werden 
solle; so wurde hier in Münden schon Sonnabend den 11. October 1755 zur Vor 
feier, nah 12 Uhr Miltages vom St. Blasiithurmc 1 Stunde lang mit allen Glocken 
drei Mal das Fest eingeläutet.
	        

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