Full text: Geschichte der St. Blasii-Kirche zu Münden

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Sie soll am meisten durch die Verdunkelung der fünf kostbaren Oelgemälde 
aus der Blüthezeit der Malerkunst gelitten haben, denn diese sollen von berühmten 
Meistern verfertigt sein, und durch einen darauf gebrachten Oelfirniß waren die Farben, 
wie man glaubte, auf immer bedeckt, so daß man an die Wiederherstellung ihres 
glühenden Colorits nicht glaubte. 
Doch unser zu früh verstorbener geschickte Decorations - Maler Herr Friedrich 
Arendt hat sie wieder gereinigt und ans Tageslicht gebracht. Sie stellen die vier 
Evangelisten und den Apostel Paulus vor. 
Die drei andern Gemälde sind am Aufgange zur Kanzel und auf Holz gemalt. 
Nach dem Urtheile berühmter Maler, die ihren Untergang beklagten, sollen sie 
von Lucas Krau ach sein. Es sind Portraits. 
Das mittelste stellt Luther vor in seinen späteren Jahren, so Wiedas daneben 
dessen besten Freund Philipp Melanchton. 
Dieses Letztere soll die vollkommenste Aehnlichkcit mit den Abbildungen dieses 
Mannes von der Hand des berühmten Malers haben. 
Oberhalb des Gemäldes von Luther sieht man das Bildnis; des früheren 
Schutzheiligen unserer Stadt, des ThuroldnS — Thorwart oder Thürhüter — 
Petrus mit dem Schlüssel. So wie derselbe hier abgebildet ist, so sieht man ihn 
auch in dem Siegel der früheren Calandsbrüderschaft. 
Vielleicht glaubte man aus Dankbarkeit, hierdurch das Andenken dieser Wohl- 
thätigkeits-Gesellschaft zu ehren, dessen Gaben und Vermächtnisse zur Fundation der 
Gehalte der lutherischen Prediger und des Vermögens der Kirche gedient haben. 
Die Sage, daß vr. Luther bei Gelegenheit einer Durchreise unserer Herzogin 
Elisabeth hier in Münden einen Besuch abgestattet und in unserer St- Blasii- 
Kirche eine Gastpredigt gehalten haben soll, muß, wenn es wirklich der Fall gewesen, 
hier in den Jahren '1541 vis incl. 1545 stattgefunden haben, da die Reformation 
hier erst Ende des Jahres 1540 eingeführt und vr Luther im Februar 1546 
schon starb. 
Mitten in der Kirche finden wir den aus Sandstein gearbeiteten Sarkophag 
des Herzogs Wilhelm des Jüngeren, des Vaters unseres Herzogs Erich I., ver 
fertigt im Jahr 1494. 
Er starb aber erst 1503 und wurde in denselben hier beigesetzt. — Das Grab 
mal hat eine Länge von gut 4 Ellen, die Höhe beträgt über 2 Ellen. — Auf ihm 
ruht die lebensgroße Figur des Herzogs in ritterlicher Rüstung. — Zwei Engel 
erfassen ein Kissen, worauf, unter einem geschweiften gothischen Baldachin, das Haupt 
im offenen Helme liegt. Die Rechte hält das fürstliche Wappen, die Linke das 
Schwerdt, zu den Füßen liegt ein Löwe. — Die Langseiten des Sarkophags werden 
durch gothische Ornamente ausgefüllt. Am Kopfende erscheint die das Christkind 
tragende Himmelskönigin in der Glorie, auf der Mondsichel stehend, und am Fußende 
ist der heilige Bartholomäus dargestellt. 
Die das Jahr der Anfertigung zeigende Inschrift auf dem abgeschrägten Rande 
der Deckplatte lautet: ,8epulcram illustrissimi Principis Wilhelmis Filii Wilhelmi 
Ducis Bmnsvicensis et Luneburgensis 1494 « — Zu deutsch: „Grabmal des Durch 
lauchtigsten Fürsten Wilhelm, Sohnes Wilhelms Herzogs zu Braunschweig Lüne 
burg 1494." 
Ein alter Geschichtschreiber sagt: „Daß sich der Fürst die Verfertigung seines 
Grabes bei seinen Lebzeiten habe sehr angelegen sein lassen, und er täglich eine Stunde 
sich bei den daran Arbeitenden, um sie zur Beschleunigung der Sculptur und tüch 
tiger Arbeit zu ermuntern, liebreich und gnädig verweilet habe." 
Im Jahr 1822 wurde dieses Grabmal auf Befehl des Herzogs von Canibridge 
unter Leitung des Klosterbaumcisterö Müller zu Göttingen ausgeschmückt und mit 
einem eisernen Stackctt umgeben.
	        

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