Full text: Geschichte der St. Blasii-Kirche zu Münden

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Franke übernahm, der sie nach dem von seiner eigenen Hand niedergeschriebenen, 
noch vorhandenen Register vom 29. Juni 1492 bis Martini 1494 fortsetzte. 
Franke war 1500 Rathshcrr und Cämmerer und vom Jahre 1518 bis 1546 
Bürgermeister. 
Es ist deshalb eine unrichtige Meinung, daß die Kirche in einem Jahre, von 
1487 bis 1488, fertig geworden sei, weil unten über der Thurmtrcppe die Jahreszahl 
1488 steht. Diesem ist aber nicht so; bis zu einer ziemlichen Höhe mag man in 
einem Jahre wohl gekommen sein, aber die Vollendung der Fensterrahmen und der 
Gewölbe zog sich bis 1494 hin. 
Dann erst nahm man auch den Abbruch der Wand an der Westseite des ersten 
Joches, so weit dieser Theil der Kirche zeither zum Gottesdienste benutzt war, vor. 
So auch wurde nun die zeither benutzte Eingangsthür an der Südseite des Chores 
zugemauert und vor derselben herauf die Sakristei erbaut. 
Doch bevor wir die wohlthätigen edlen Männer erwähnen, die zum Kirchcnbau 
beitrugen, würde es Undankbarkeit sein, wenn wir nicht auch eines Mannes gedächten, 
der schon hundert Jahre vorher vielfach die Kirche beschenkte und sich für ihr Auf 
blühen sehr interessirte. 
Es war dies der Geistliche 
Johann von S ch e e d e n , 
ein Sohn des Patriziers Heinrich von S ch c e d c n, welcher um's Jahr 1385 bei 
uns Rathsherr war. 
Schon 1397 und 1398 sehen wir ihn beim Herzog Otto Cocles als Eanzler. 
1404 als Probst zu Weende und Prediger an der Johannis-Kirche zu Göttingen; 
resignirte aber 1407 und 1421 finden wir ihn als Priester an unserer St. Blasii- 
Kirche. Er hatte die Herbst-Bede zu Bühren geschenkt bekommen, schenkte dieselbe 
aber mit Bewilligung des ersten Lehnsherrn Herzog Otto des Einäugigen unserer 
St. Blasii-Kirche, welche dieselbe noch jetzt besitzt. Ein hiesiger Bürger, Hermann 
Zachäi, schenkte ihm 1430 einen Baumgarten und Hof in der Stadt. Der wohl 
thätige Mann schenkte nibt allein diesen Garten sondern auch sein eigenes Haus hier 
in Münden im Jahre 1433 der St Blasii-Kirche. 1444 ließ er einen neuen Altar 
i» der Kirche aufrichten, welcher nachher in die Aegidien-Kirche gekommen sein soll 
und wovon die auf Goldgrund gemalten Altarstücke, welche vor einigen Jahren das 
Provinzial-Muscum in Hannover ankaufte, noch Ueberbleibsel sein sollen. 
Auck müssen wir aus dieser Zeit noch Einige bemerken, als z. B. Hans Py l, 
Pärncr, schenkte der Kirche einen Kelch. Senator Gerlach Benhusens Frau ver 
machte 1432 der Kirche ein Haus und einen Hof. Hermann M c i g h e r, Priester hrcrselbst, 
wird im Jahre 1443 als Vollstrecker des Bestätigungsbrieses des Rathes zu Hädeminni über 
Jütten Wedekind Vermächtnis, der bis jetzt »och der St. Blasii-Kirche zugchörendcn 
und nun verkauften Hedemüuden'schen Länderei, erwähnt. Hermann Metgher schenkte 
der Kirche 100 rheinische Gulden und sein Vetter Conrad Mcigher sein Haus und 
seinen Hof, schuldenfrei, mit aller Gelegenheit, an der Kirchstraße belegen. Ferner 
250 Gulden, welche er an dem Dorfe Berlevessen stehen hatte, und im Jahre 1479 
einen Kelch. Er starb 1480 und der oben bemerkte Grabstein im Chor, wo ein 
Priester Uns Conrad einen metallenen Kelch in der Hand hält, deckt seine Grabesstätte. 
Von den Beförderern des Kirchenbaucs, wovon uns die Namen aufbewahrt sind, 
müssen wir bemerken, daß viele derselben Mitglieder der hiesigen Calands-Brüder- 
schait waren, einer Wohlthätigkeits-Gescllschaft, die schon im 14. Jahrhundert hier- 
se bst existirte und vor der Reformation ihre monatlichen Zusammenkünfte in der 
Capelle St. Spiritus hatte. 
Der hohe Zweck der Gesellschaft war „die Erhaltung der unverfälschten Lehre 
des Christenthums und die Unterstützung Nothleidender." Im Jahre 1494 hatte die 
Brüderschaft 21 einheimische uno auswärtige geistliche Mitglieder. 1508 bestand sie
	        

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