Full text: Geschichte der St. Blasii-Kirche zu Münden

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Als nun Herzog Otto Puer schon im Jahre 1252 starb, so zögerte sich der 
Ansang dis Baues hin bis unter seinen Sohn Herzog Albrecht den Großen, auf 
dessen ausdrücklichen Befehl und Beihülfe, wie einige Geschichtschreiber mittheilen, im 
Jahre 1253 oder, wie Andere meinen 1263 derselbe angefangen werden konnte. 
Es ist dieser Bau die größte Zierde unserer Stadt so recht aus der Blüthe 
zeit der ächt deutschen sogenannten gothischen Baukunst 
Der Baumeister war der Domprieste Johann Gebhardt aus Braunschweig. 
Gewiß ein großer Meister seiner Kunst, dessen reinem und hohem Geschmack man in 
der Folge der Zeit zum großen Nachtheile für die ursprüngliche Schönheit des Ge 
bäudes leider nicht immer treu geblieben ist. 
Wie mancher Bauknndige und Architekt hat schon oft den Wunsch geäußert, 
einmal den ersten ursprünglichen Riß dieses großen Baulneisters von Kirche und 
Tburm zu sehen; doch derselbe ist, wie so manches Kunstvolle von Menschenhand, 
mit dem Dompriester Johann Gebhardt und seinen hohen erhabenen Ideen in der 
Nacht der Vergangenheit untergegangen. 
Obgleich man nun auch den Bau mit dem größten Eifer und allgemeiner Theil 
nahme anfing, wozu alle Einwohner, besonders die Kaufleute, Schisser und Handwerker, 
nach ihrem Vermögen beitrugen und unter den Patriziern vor Allen die Familie der 
„Giesel er von Münden" sich durch bedeutende Beiträge auszeichnete, wie auch 
die Fannlic Z a ch ä u s , die Ludewiger, die von N e e st e, später die v o n S ch e e d e n 
und auch Herzog Albrecht der Große durch seine Beihülfe demselben sehr förderlich 
war, so^ konnte er dennoch nicht ausgeführt werden, man mußte damit einhalten. 
Sei es nun, daß des Herzogs unglückliche Kriege oder der Bannstrahl, der ihn 
traf, oder daß die sämmtlichen Mitglieder der Familie Gieseler von hier nach 
Göttittgen zogen, oder daß es an dem Unvermögen der Stadt Kasse selbst und in den 
ganzen Zeitverhältnissen lag, man weiß es nicht. 
Der Bau wurde nur bis an das erste Joch dieser dreischisfigen Hallenkirche 
ausgeführt. 
Man sieht noch jetzt, daß selbst das Aeußere der Kirche mit dem späteren Bau 
nicht ganz übereinstimmt. 
Zwischen den Pfeilern, die in ihrer Form und Stärke von den übrigen wesentlich 
abstechen, wurden bis zur äußersten Höhe hinauf Wände gezogen, der Bau vorläufig 
als geschlossen betrachtet und zum Gottesdienste eingerichtet. 
Man gründete in demselben nun den Altar 8t. Beatae Mariae Virginis. Er 
gehört unter die Naturseltenheiten, besteht aus einem Stein des Sollings, ist 6 3 / 4 
Elle lang, 3V 4 Elle breit und ‘/ 2 Elle dick und hält 88 V 4 Quadratfuß. 
Der Erzbischof von Mainz ließ die Kirche dem heiligen Blasius weihen. 
Die damalige Eingangsthür zu derselbe!: kann man noch jetzt in ihrer Bogen- 
form sthr gut an dem Predigerstuhle südlich vom Altare erkennen 
Ehe man nun an einen Weiterbau denken konnte, gebrauchte man diesen Theil 
der Kirche bis gegen das Jahr 1490 zum Gottesdienste. 
Von alterthümlichen Kunstwerken findet man in derselben einen in der südöst 
lichen Ehorwand unter einer gothischen Giebelverdachung angebrachten Sakraments 
schrank mit einer davor befindlichen Bronzethür. Sie ist zwar nur 2 Fuß 2 Zoll 
breit und 2 Fuß 10 Zoll hoch, aber mit bedeutsamen Reliefs und Inschriften bedeckt. 
Ihre Fläche wird durch ein sich kreuzendes, mit dem erhöhten Rahmen verbun 
denes Band, beide mit vorspringenden Winkelansätzen versehen, in vier kreuzförmige 
Füllungen eingetheilt, und des Kreuzbandes Mltte bildet ein Quadrat, welches ver 
möge rechteckiger Ausweitung in der Mitte jeder Seite abermals kreuzförmig gestaltet 
ist. In diesem Mittelfelde erscheint das Lamm Gottes mit Kelch und Siegesfahne. 
Kleine Reliefs an beiden Enden des senkrechten Mittelstreifens zeigen oben den Pelikan, 
seine Jungen mit dem eigenen Blute tränkend, unten den Löwen, die todtgeborenen
	        
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