Full text: Festschrift [zum fünfzigjährigen Geschäftsjubiläum der Firma Ferd. Esser & Co. in Elberfeld, Milspe W., Hamburg, Paris am 1. Juli 1907]

Das Wort „Bildung macht frei" galt auch für ihn. Aber wie trostlos sah es für ihn aus. 
In dem erwähnten Dokument, betreffend Gesuch um Zurückstellung vom Militärdienst, als 
Ferdinand Esser 24 Jahre alt War, heisst es: 
"Der unterzeichnete Bürgermeister bestätigt die Aussagen als der Wahrheit entsprechend und 
muß demgemäß in Übereinstimmung mit den genannten drei Familienvätern die nachgesuchte Zurück= 
stellung befürworten, indem sonst für die Familie folgender Nachteil entstehen würde: Die ErbIindung 
des 67 Jahre alten Vaters macht denselben zu jeder Arbeit und zu jeder Beaufsiditigung unfähig. Die 
Beackerung des Gütchens muß daher größtenteils durch Tagelöhner geschehen, und da 1000 Taler 
Schulden darauf haften, so wirft dasselbe den Bedarf zum Unterhalt der Familie nicht ab. Der 
Reklamierte dient als Kontorist zu Solingen bei den 6ebrüder Weyersberg gegen 200 Taler jährliches 
Salär, wovon er die Eltern unterstützt" 
Nachdem Ferdinand Esser seine ersten Lehrjahre hinter sich hatte, kam er zu einem 
Scherenfabrikanten, einem Manne, der nach einem noch vorhandenen Tagebuche mit den 
eigenhändigen Aufzeichnungen von Ferdinand Esser sowohl in geschäftlicher wie in sozialer 
Beziehung auf einem engherzigen, kaltberechnenden Standpunkte gestanden haben muss. Es 
kommen in seinen Aufzeichnungen häufige Klagen des jungen Mannes vor über Geheimnis- 
krämerei, mangelndes Vertrauen seines Herrn Prinzipals, über die Art und Weise, alle Geschäfts- 
bücher in der Wohnstube wegzuschliessen, aus Furcht, der Kommis könne hinter nicht vor- 
handene Geschäftsgeheimnisse kommen; über Nichteinhaltung von Versprechungen wegen 
Salärerhöhung usw., so dass er sich nach einer freieren Ausübung seiner Kräfte und seines 
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