Full text: Mayser's Hutfabrik Ulm a. Donau

zur Erhöhung der Filzfähigkeit notwendigen Beizen der Felle und dem 
Auskämmen der in der Hutfabrikation verwandten feinen Haare, begann 
der wichtigste ProzeB der Hutherstellung : ,,das Fachen." Dabei wurde das 
für einen Hut benötigte Haarquantum auf dem aus Weidengeflecht 
bestehenden Fachtisch ausgebreitet und mittels eines von der Decke 
herabhängenden Instruments, des Fachbogens, das aussah wie ein rie- 
siger Fiedelbogen, "geschlagen". Diese Tätigkeit setzte ein beträchtliches 
Maß von handwerklicher Geschicklichkeit voraus. Durch Anschnellen 
der Darmsaite 
des Bogens 
wurde die 
Haarmasse so 
kräftig durch- 
und ineinan- 
dergewirbelt, 
daß sie sich 
schlieBlich zu 
einer innigen 
Mischung ver- 
band. Durch 
 
Foto Seitenmitte: 
Bei Mayser Ulm vor 100 Jahren! 
 
Drücken, Rei- 
ben u. Schie- 
ben mittels 
eines Siebes 
formte der 
Hutmacher 
diese ,,Fache" 
jetzt zu einem 
immer fester 
werdenden 
Filz. Der 
nächste Ar- 
beitsvorgang, das ,,Zusammenschlagen", brachte die Vereinigung dieser 
einzelnen Fache zum Hut. Durch fortwährendes Rollen und Wenden 
drückte und knetete der Hutmacher den Filz immer fester zusammen. 
Um dem so entstandenen Hohlkegel die erforderliche Festigkeit und 
zugleich dem Hute die bestimmte Form und Grösse zu geben, mußte 
jetzt der Filz stundenlang auf einem Walktisch mit einem Rollholz 
bearbeitet und zur Förderung des Verfilzungsprozesses zwischenhinein 
immer wieder in heisses Wasser getaucht werden. Nachdem der Hut 
auf die gewünschte GröBe gewalkt war, muBte über einer Flamme 
von brennendem Stroh das lange, aus dem Filz herausragende Haar ab- 
gesengt werden. Nun schloB sich das Färben und Trocknen an, hierauf 
das Formen der Hüte durch Aufziehen der Filze auf Holzformen. Nach 
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